GOLF

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Putten im Überschwemmungsland

Fes zieht die Besucher aus aller Welt an. Hier befindet sich die größte Medina der Welt, eine atemberaubende Gerberei, prächtige Medersen und mittelalterlich anmutende Souks. Fes ist Weltkulturerbe. Veränderungen sind mit den strengen Regularien der UNESCO nicht drin. Als vor zehn Jahren vor der Stadt ein Golfplatz entstehen sollte, schien die Umsetzung nicht durchführbar. Dann kam Thomas Sedlmeier aus München.

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Herr Sedlmeier, spielen Sie denn selbst Golf?
Ja, leidenschaftlich gerne.

Waren Sie vor Ihrer Arbeit als Greenkeeper in Fes schon einmal in Marokko?
Nein.

Das muss doch ein Abenteuer gewesen sein, oder?
Es war eine ziemliche Umstellung, zumal ich damals nur ein paar Brocken Französisch gesprochen habe. Ich verständigte mich erstmal ganz rudimentär mit Händen und Füßen, irgendwie hat es funktioniert. Inzwischen habe ich natürlich französisch gelernt.

Auf Ihrer Visitenkarte steht „directeur technique“, Sie nennen sich Greenkeeper. Was machen Sie eigentlich?
Zu meinem Verantwortungsbereich zählt die gesamte Pflege des Golfplatzes, also alles, was agronomisch damit zu tun hat.

Wann hat der Bau des Golfplatzes in Fes begonnen?

Im Jahr 2007. Ich bin gleich zu Beginn im November 2007 nach Fes gekommen.

Dann haben Sie also die ganze Entstehungsgeschichte des Platzes miterlebt?
Ja, vom ersten Baum an, den wir gefällt haben. Der Golfplatz ist gewissermaßen mein Baby. Ich habe den Plan des Architekten in die Praxis umgesetzt und wenn nötig, gemeinsam mit ihm Änderungen oder Verfeinerungen vorgenommen.

Wieso braucht Fes eigentlich einen Golfplatz?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Durch den Golfplatz fließt ja ein Fluss, der Oued Fes. Da es manchmal Überschwemmungen gibt, braucht er eine Überflutungszone. Dieses Areal ist als Wohnraum nicht nutzbar. Als man ehemals überlegte, was auf dem Gelände entstehen soll, waren mehrere Optionen denkbar: zum Beispiel ein Park, ein See oder eben ein Golfplatz. Zu dieser Zeit erlebten Golfplätze in Marokko einen regelrechten Boom. Viele der größeren Hotelanlagen wollten einen bauen. Die Entscheidung fiel daher auf einen Golfplatz. Wenn der Fluss über die Ufer tritt, steht der Golfplatz allerdings unter Wasser. Die „Greens“ sind deswegen erhöht angelegt, sodass das Wertvollste bei einer Überflutung geschützt bleibt. Unser Golfplatz fügt sich gewissermaßen perfekt in das ökologische Umfeld ein.

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Wie war das denn, als der Golfplatz unter Wasser stand?
Das ist bisher nur einmal passiert, noch während der Bauphase, als noch kein Rasen angepflanzt war. Der Platz sieht dann aus wie ein großer See mit 18 kleinen Inseln, also den „Greens“. Wenn das Wasser wieder abgelaufen ist, ist der Boden komplett durchnässt. Das größte Problem ist dann allerdings der Schlamm, den der Fluss zurücklässt. Der muss entfernt oder verteilt werden, da er auch als Dünger dienen kann. Das klingt allerdings dramatischer, als es ist. Prinzipiell ist der Schaden abhängig von der Dauer der Überschwemmung und dem Grad der Verunreinigung, und ob zum Beispiel Chemikalien, Gülle und Dreck angeschwemmt wurden.

Ihr habt also zumindest keine Wasserprobleme!
Wenn der Fluss ausgetrocknet ist, dann wird das Wasser schon etwas knapp, aber das habe ich erst zweimal in sieben Jahren erlebt. Normalerweise ist der Golfplatz der einzige grüne Fleck in Fes. Wir beziehen aber unser Wasser nur zum Teil aus dem Fluss.
Wie verträgt der Rasen denn das Klima? Im Sommer wird es ja recht warm, im Winter gibt es auch mal kühlere Tage …
Wir verwenden für die „Greens“ einen Rasen, der den Schwankungen standhält, bei heißen Sommertemperaturen allerdings einer sehr sorgfältigen Pflege bedarf. Für den tiefer liegenden Rasen nutzen wir eine Bernida-Variation, die gewissermaßen einen Winterschlaf macht. Das Gras wird dann braun, der Rasen sieht aus, als wäre er ausgetrocknet. Der Golfplatz ist aber auch im Winter bespielbar. Unsere Mitglieder kommen fast jeden Tag.

Wer spielt denn konkret bei Ihnen Golf?
Momentan haben wir 60 marokkanische Mitglieder, zum Beispiel Ärzte und Ingenieure.

Wie kamen Sie denn eigentlich zu Ihrer Arbeit?
Ich bin eigentlich gelernter Buchhalter und habe zuerst in einer Steuerkanzlei gearbeitet. Dann bekam ich ein Angebot, kaufmännischer Leiter einer Firma, die Golfplätze baut, zu werden. Auch ein Bürojob. Hin und wieder bin ich aber auch auf Baustellen gewesen. Diese Arbeit hat mich zunehmend gereizt. Irgendwann habe ich mich entschieden, nur noch auf dem Golfplatz zu arbeiten.

Wie kann ich mir denn Ihre tägliche Arbeit vorstellen?
Ich leite ein Team von fast 20 Leuten. Sie mähen den Rasen, düngen, kontrollieren die Beregnung und die Drainage – um nur einiges zu nennen. Meine Aufgabe ist die Organisation des Teams, außerdem treffe ich wichtige Entscheidungen: Verwenden wir Herbizide oder Pestizide, wann wird gedüngt, wie viel? In Abhängigkeit vom Wetter bedarf es einer sehr individuellen, täglichen Pflege.
Was passiert denn, wenn ein Golfplatz mal vier Wochen nicht gepflegt wird?
Das wäre eine echte Katastrophe! Abgesehen davon, dass das Gras in vier Wochen etwa zehn Zentimeter wächst, bildet sich eine schwammartige Wurzelschicht über dem Boden, die den Platz enorm schädigt. Vor längerer Zeit hatte ich mal so ein Problem. Es dauerte über ein Jahr, damit fertig zu werden. Im Sommer regnet es außerdem über längere Perioden nicht. Wenn der Platz dann nicht gepflegt wird, ist er tot!

Das klingt ja sehr aufwändig!
Ist es auch. In Amerika ist Golfplatzmanagment sogar ein eigener Studiengang. Ich studiere Golfplatzmanagment derzeit im Rahmen eines Fernstudiums an der Pennsylvania State University.

Wie könnte man den Golfplatz in Fes im Vergleich zu anderen Plätzen in Marokko charakterisieren? Was hat er, was andere nicht haben?
Auf unserem 18-Loch-Golfplatz gibt es Parkland-Golf-flächen: Dort sind die Greens und Löcher mit „störenden“ Bäumen umsäumt. Ebenso haben wir Flächen, die frei von Bäumen sind, also ohne störende Elemente. Unser Golfplatz verbindet beides, die Mischung macht’s! Außerdem liegen wir ziemlich zentral. Es gibt noch zwei weitere Golfplätze in Fes, die liegen aber weiter außerhalb.

Könnten Sie sich eigentlich vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren und dort einen Golfplatz zu bearbeiten?
Theoretisch schon. Langfristig ist mein Ziel ohnehin, in Deutschland als Consultant, als Berater zu arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sven Kämmerer, Redaktion KASBAH

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