Aufbruch I Kultur

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FESTIVAL GNAOUA ET MUSIQUES DU MONDE

Das Open-Air-Labor

Musik überall, die Straßen sind belebt, die Cafés voll, die Hotels ausgebucht. Vom 14. bis zum 17. Mai. herrscht in Essaouira völliger Ausnahmezustand. Während dieser vier Tage ist die Stadt eine große Bühne. Dann findet hier das einzigartige Gnaoua-Festival statt. Das Musik-Event ist untrennbar mit Neila Tazi verbunden. Sie ist in Amerika als Kind marokkanischer Eltern geboren und lebte in den USA. Neila hat das Gnaoua-Festival vor 18 Jahren ins Leben gerufen und leitet es bis heute. KASBAH hat mit ihr über das mittlerweile einzigartige Projekt gesprochen.

Gnaoua-Musik ist in Deutschland kaum bekannt. Wie würden Sie diese Musik beschreiben? Gnaoua-Musik, heute als „Weltmusik“ über die Grenzen Marokkos hinaus bekannt, ist eine sehr rhythmusbetonte, mystische, manchmal tranceartige Musik. Sie stammt von der marokkanischen Volksgruppe der Gnaoua. Ihre Vorfahren sind ehemalige Sklaven aus Schwarzafrika, die im 16. Jahrhundert nach Marokko gebracht wurden. Sie musizierten bei sogenannten „Lila“- oder „Derdeba“-Ritualen, nächtlichen Zeremonien, die mehrere Stunden dauern können. Dabei besangen sie die Geschichte ihrer Ahnen, vertrieben Geister und tanzten sakrale Tänze bis zur Trance. Es gibt traditionell einen „Meister“, der sozusagen der „Bandleader“ ist, und sechs Musiker. Ihre wich-tigsten Instrumente sind die Trommel (tbal), dreisaitige Lauten (gimbri) und metallene Kastagnetten (quarqaba).

Warum haben Sie dieses Festival gegründet? Die Intention unseres Festivals ist, zur Wiege der Musik zurückzukehren. Gerade Jazz- und Blues-Musiker, beispielsweise aus Amerika, finden hier in Afrika ihre musikalischen Wurzeln wieder. Unser Festival und die Gnaoua-Musik ermöglichen es ihnen, an die Quelle zurückzukehren und zu verstehen, was ihre Rhythmen, Bässe und Melodien mit der afrikanischen Musik gemeinsam haben. Eines unserer Ziele ist, dass Musiker aus aller Welt mit den Gnaoua-Meistern und deren Bands gemeinsam musizieren und auf diese Weise „fusionieren“. Das Gnaoua-Festival ist also auch eine Art „musikalisches Labor“, in dem experimentiert wird. Die traditionelle, jahrhundertealte Gnaoua-Musik trifft auf modernen Jazz, Blues, Funk. Das inspiriert die Musiker, neue Stile und Klänge entstehen. Solche experimentellen Fusionen, wie zum Beispiel mit

aufbruch_ausgabe03_small03 Marcus Miller im letzten Jahr, sind absolut einzigartig. Viele der Musiker erzählen, dass diese Fusionen etwas ganz Besonderes in ihnen auslösen.

Welche berühmten Musiker haben schon am Gnaoua-Festival teilgenommen? Wayne Shorter (USA), Keziah Jones (Nigeria), Oumou Sangaré (Mali) oder Pat Metheny (USA) haben sich – neben vielen anderen – diesem Experiment gestellt. Das Fusionieren ist ungewohnt, ja riskant für Musiker. Manche trauen sich das nicht. Normalerweise bringen sie ihre Show auf die Bühne, geben ein Konzert und das war’s. Beim Fusionieren ist das anders. Nur sehr gute Musiker trauen sich das zu.

Wie können wir uns dieses Fusionieren vorstellen? Wir laden viele Musiker aus der ganzen Welt ein, mit den Gnaoua-Bands zusammenzuspielen. Das funktioniert besonders gut mit Jazz- und Blues-Musikern und Musikern aus Südamerika, vor allem aus Brasilien. Denn die dortige Musik – z.B. Voodoo – trägt dieses Erbe in sich. Die Musiker spielen zuerst Stücke aus ihrem Repertoire und gehen dann eine Fusion mit den Gnaoua-Musikern ein.

Proben die Musiker vorher gemeinsam? In der Regel schon. Manche kommen schon zehn Tage vor dem Festival hierher und arbeiten. Andere kommen erst drei Tage vorher und proben zwei, drei Mal. Das kann abenteuerlich werden, denn für viele angereiste Musiker ist das eine völlig neue Erfahrung. Schließlich spielen die Gnaoua-Musiker nicht deren Musik, sondern umgekehrt. Aber das ist auch das Besondere an unserem Festival: Was Sie hier in Essaouira sehen, sehen Sie nirgendwo anders. Es sind unveröffentlichte Konzerte!

Was kann man an diesen vier Tagen erleben, wie viele Bands spielen? Es gibt etwa 40 Konzerte. Wir haben zwei große Open-Air-Bühnen für jeweils etwa 30.000 Zuschauer, eine auf der Place Moulay Hassan und die andere am Strand. Zudem gibt es noch weitere kleinere Bühnen. Überall dort ist der Eintritt frei. Da Essaouira relavitiv klein ist, gelangt man zu Fuß schnell von einer Bühne zur anderen. Dann gibt es drei Konzerträume für jeweils 300 bis 600 Zuschauer. Dort kann man sitzen, hat mehr Nähe zu den Musikern. Die Eintrittspreise liegen zwischen 150 und 200 DH (15 bis 20 Euro; Anm. d. Red.). Es gab auch schon Konzerte auf dem Dach der alten Bastion von Essaouira, im Dar Souiri und in der Zaouia des Aïssaoua, dem Heiligtum der Aïssaoua, einer anderen traditionellen Musikrichtung.

Wann beginnen die Konzerte und wie lange spielen die Bands? Die Konzerte beginnen abends um 19 Uhr auf mehreren Bühnen gleichzeitig und dauern bis zu eineinhalb Stunden. Bis zwei Uhr morgens wird gespielt. Es gibt unglaublich viele Zuschauer. Essaouira hat normalerweise 70.000 Einwohner. Zur Zeit des Festivals sind mehr als 500.000 Personen in der Stadt! Die internationale Presse hat das Gnaoua-Festival oft als das „marokkanische Woodstock“ oder als das „afrikanische New Orleans“ bezeichnet.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Das Interview führte Corinne Vastel, Redaktion KASBAH
Informationen: www.festival-gnaoua.net

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