Aufbruch I Sport

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RALLY AÏCHA DES GAZELLES 2015
Die Gazellen sind los

In Marokko sind wieder die „Gazellen“ unterwegs. Am 24. März startet die Rallye „Aïcha des Gazelles“. Männer mit Diesel im Blut dürfen ihren Spieltrieb bei dieser Wüstenrallye nicht ausleben. KASBAH sprach mit Dominique Serra, Direktorin des Veranstalters „Maïenga“, und hat versucht, sich für die Herren der Schöpfung stark zu machen.

Es gibt bestimmt unzählige Männer, die bei dieser Rallye gern mitfahren würden!
Das glaube ich auch.

Warum geben Sie den Männern keine Chance?
Weil es nun mal so ist, dass an der Rallye ausschließlich Frauen teilnehmen dürfen. Aber es geht gar nicht nur darum. „Aïcha“ ist ein völlig anderes Konzept, das wir vor 25 Jahren entwickelt haben. Eine Rallye, das bedeutet normalerweise: protzige Autos, Geschwindigkeit und das schnellste Team gewinnt. Unsere Rallye setzt nicht auf Schnelligkeit. Unser Konzept ist, vom Start zum Ziel auf dem kürzesten Weg zu gelangen. Es gibt nur eine Land-karte und einen Kompass, kein GPS, keine festgelegten Routen, nichts. Wer am Ende die wenigsten Kilometer auf dem Tacho hat, gewinnt – selbst wenn man als Letzter das Ziel erreicht! In der Wüste ist das alles andere als einfach.

Wie werden denn die Kilometerstände kontrolliert?
Kilometerstände werden morgens vor der Abfahrt abgele-sen sowie abends, wenn die Fahrerinnen ankommen. Wir haben auch die Möglichkeit, die Fahrzeuge zu orten und die Strecke nachzuvollziehen, die sie zurückgelegt haben.

Wie viele Frauen nehmen an der Rallye teil?
In diesem Jahr nehmen 168 Teams teil, mit Autos, Motorrädern und Quads. Aus Sicherheitsgründen besteht jedes Team aus zwei Frauen. Insgesamt sind es also 336 Frauen aus vielen verschiedenen Ländern.

Wann beginnt die Rallye in diesem Jahr?
Wir starten am 21. März in Nizza. Von dort fahren alle nach Sète, um nach Nador überzusetzen. Am 24. März morgens gibt es den zweiten offiziellen Start in Rabat in Anwesenheit des Königs Mohammed VI.

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Wo können wir die „Gazellen“ in diesem Jahr in Marokko sehen? 
„Aïcha“ startet in Erfoud, verläuft über M’Hamid durch ganz Südmarokko und endet in Essaouira.

Aus wie vielen Etappen besteht die Rallye?
Es gibt sechs Etappen an acht Renntagen. Wir haben ja zwei Marathon-Etappen in der Rallye. Dann müssen die „Gazellen“ zwei Tage ohne Assistenz und ohne Biwak (großes, mobiles Zeltlager, Anm. d. Red.) auskommen. Sie dürfen sich unterwegs auch nicht helfen lassen und müssen allein zurechtkommen.

Bedeutet das, dass die Frauen ansonsten immer begleitet werden oder ein Assistenzteam für sie im Einsatz ist?
Auf allen Fahrzeugen sind sogenannte Tracking-Systeme installiert. So können sie uns Bescheid geben, wenn es Probleme gibt. Wenn sie einen Mechaniker benötigen, können sie einen Alarm absetzen. Wir wissen jederzeit, wo sich jedes Team befindet. Unser System gewährleistet den Fahrerinnen volle Sicherheit.

Wie lang sind die Etappen?
Zwischen 180 und 240 Kilometer pro Tag.

Wie ist das Terrain?
Wir haben Dünen, Reg-Wüsten (flache, feste Sandflächen; Anm. d. Red.), auch Berge und Felsen. Das volle Programm.

Kennen die Teilnehmerinnen Marokko schon?
Manche Frauen sind zuvor noch noch nie in Marokko gewesen. Sie entdecken das Land bei der Fahrt – die Wüste, die Vegetation, die Natur …

Wann fängt der Tag an? Wann endet er?
Die Frauen stehen jeden Morgen um 4 Uhr auf. Um 5 Uhr gibt es ein Briefing, und dann fahren sie um 6 Uhr los. Abends hören sie mal um 18 Uhr auf, mal um 20 Uhr oder erst um 22 Uhr. Manchmal kommen sie gar nicht ins Lager zurück. Es kommt darauf an, wie sie gefahren sind.

Wo essen die Fahrerinnen, wo schlafen sie?
Jeden Abend bauen wir große Lager auf. Jedes Team hat außerdem ein eigenes Zelt dabei, das allabendlich auf-geschlagen wird. Gegessen wird in einem riesigen Zelt, eine Art mobiles Restaurant mit marokkanischen Spezia-litäten. Teil des Biwaks sind auch „luxuriöse“ Einrichtungen wie Duschen und Toiletten. Das ist eine kleine Stadt, die in der Wüste unterwegs ist.

Wird die Rallye im Fernsehen ausgestrahlt?
Natürlich. Der marokkanische Sender 2M International berichtet von der Rallye für Frankreich TV5 Monde, TF1, M6, NBC und Radio Canada.

Wie wird „Aïcha“ von den Frauen in Marokko aufgenommen?
Was die Emanzipation der Frauen in Marokko angeht, ist Marokko gut vorangekommen. „Aïcha“ ist für das Bild der Frau ein wichtiges Ereignis in Marokko. Es wirkt gewissermaßen in den einzelnen Köpfen und im Kollektiven der Gesellschaft.

Sind nach den tragischen Ereignissen in Paris eigentlich solche Rallyes noch zeitgemäß? 
Marokko ist ein sicheres Land. Ein „Null-Risiko“ gibt es nirgendwo. Wir können deswegen nicht aufhören zu leben. Die Rallye ist ein wichtiges Bekenntnis für die Eigenständigkeit der Frauen. Wir müssen diese Werte verteidigen und weitermachen, natürlich dabei auch immer vorsichtig sein. Aber es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Angst bringt gar nichts.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Corinne Vastel, Redaktion KASBAH
Informationen über „Aïcha des Gazelles 2015“: 

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