WEINLAND MAROKKO

WEINLAND MAROKKO

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Weinland Marokko
Kein Grand Crû, aber fruchtig und süffig

Gérard Gribelin und Philipp Gerboson führten große Weingüter und produzierten Grand Crûs – ganz große Gewächse. Als die beiden Winzer 2001 nach Marokko kamen, verliebten sie sich in die Region und blieben. Seitdem trifft technisches Knowhow und tradiertes Weinwissen auf viel Sonne, kraftvolle Trauben und eine launige Natur. Kann das gut gehen? KASBAH sprach mit Christophe Gribelin. Der Sohn von Gérard Gribelin leitet die Domaine der Zouinia.

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Wo liegt die „Domaine de la Zouina“?
Unser Weingut liegt am Fuße des Mittleren Atlas, 25 Kilometer von Meknes entfernt, zwischen Rabat und Fes. Wir haben hier unweit des Atlas in 800 Meter Höhe einen interessanten Boden für den Anbau von Oliven und Wein.

Wie kamen Sie darauf, Wein in Marokko anzubauen?
Mein Vater Gérard Gribelin und Philippe Gerboson waren Winzer in Frankreich. 2001 haben sie sich in die Domaine Zouina, „die Schöne“, verliebt. Ihr Ziel war, Qualitätsweine in Marokko zu produzieren. Mein Vater ist mittlerweile Rentner. Philippe Gerboson produziert nach wie vor Wein in Pessac Léognan in der Region Bordeaux. Es reizte sie, mal etwas anderes zu machen und marokkanischen Wein zu produzieren. Dafür bot sich diese Region an: Meknes ist ein bekanntes Weinanbaugebiet.

Wie lässt sich denn Wein in einem muslimischen Land verkaufen?
Unser Vertriebspartner eröffnet uns zwei wichtige Vertriebswege: Gastronomie und Handelsketten. Unseren Wein findet man deshalb in den Geschäften sowie in den großen Hotels in Marrakesch. Wir beliefern etwa 500 Kunden. Darüber hinaus ist es in Marokko einfach, Touristen zu erreichen. Ein wichtiger Markt für uns. Sogar die lokale Bevölkerung kauft bei uns, vor allem Geschäftsleute. Natürlich gibt es Schwankungen. Während des Ramadans sind fast alle Restaurants geschlossen.

Wie viele verschiedene Weine bieten Sie an?
Wir haben praktisch die ganze Palette im Programm. Leichte und klassische Roséweine. Die leichten haben eine sehr helle Farbe, heller als ein typischer Rosé, sind fruchtig und trocken wie ein Weißwein. Dann haben wir einen klassischen Roséwein mit Noten von roten Beeren. Unsere Weißweine sind zwar nicht mit deutschen zu vergleichen, aber es gelingt uns, interessante Produkte herzustellen. Hauptsächlich produzieren wir jedoch Rotweine, da selbst in einem sonnigen und warmen Land wie Marokko eher Rotwein getrunken wird. Dabei bieten wir verschiedene Produktlinien an: Unsere „Volubilia“-Palette besteht aus Grau-, Weiß-, Rosé- und Rotweinen. Unsere „Epicuria“-Weine sind sortenfrei: die Roten aus Cabernet Sauvignon und Syrah. Der Weiße ist ein Chardonnay, der in neuen Barrique-Fässern ausgebaut wird. Im Unterschied zu europäischen Weinen führen wir keine malolaktische Gärung durch. Dadurch bleibt die Frische erhalten. Der Ausbau und die Produktion dauern etwas länger, vor allem bei den Barrique-Weinen. Diese Weine sind nicht unbedingt eleganter, sondern eher etwas komplexer.

Wie werden Sie von der muslimischen Bevölkerung in der Region aufgenommen?
Wir befinden uns ja in einer Weinregion. Wir sind in erster Linie ein landwirtschaftlicher Betrieb, etwa 100 Hektar groß, und beschäftigen etwa 35 Personen jährlich. Insofern haben wir eine wichtige soziale Funktion. Wir werden nicht als Alkoholproduzenten wahrgenommen, sondern als Landwirte. Selbstverständlich konsumieren nicht alle Marokkaner Wein, aber sie sind aufgeschlossen uns gegenüber. Darüber hinaus produzieren wir übrigens auch Olivenöl, das ebenfalls Volubilia heißt und einen guten Ruf genießt. Es hat mehrere internationale Preise erhalten.

Exportieren Sie Ihre Weine nach Europa?
Für Deutschland haben wir noch nicht den richtigen Partner gefunden. Wir versuchen außerdem, Partner für Japan zu finden. In den drei Ländern Frankreich, Belgien und England haben wir eine Stammkundschaft, gewissermaßen eine „Maghreb-Gemeinschaft“. Des Weiteren sind marokkanische und nordafrikanische Restaurants im Ausland unsere Hauptkunden. In Frankreich bekommen wir zudem stets gute Kritiken in Fachzeitschriften. Das hilft uns natürlich. Im letzten Jahr hatten wir übrigens deutsche Winzer zu Gast, die von der Qualität unserer Weine sehr überrascht waren. Die Trauben bekommen hier zwar sehr extrem viel Sonne und haben dadurch etwas weniger Frische und Mineralität. Trotzdem haben unsere Weine das Potenzial, sich auch auf dem deutschen Markt zu etablieren. Hinzu kommt, dass wir außerdem spezielle Weine anbieten können, wie die „Vins gris“, die hervorragend schmecken und die Sie nur hier finden.

Was unterscheidet die französischen von den marokkanischen Weinen?

Marokko ist ein sonnenverwöhntes Land. Dadurch haben wir schwere, kräftige Weine mit 13,5 bis 14 Prozent Alkoholgehalt, das ist sogar etwas mehr als in Frankreich. Viele Leute sagen, es sei kompliziert, in Marokko gute Weißweine zu produzieren. Das stimmt aber nicht! Sehen Sie sich unsere Weine an: Wir haben gute, fruchtige Weißweine, die leicht zu trinken sind, aber auch anspruchsvolle Weine, wie unsere „Epicurien“-Palette, die im Barrique ausgebaut werden. Unsere Weine sind allerdings keine Lagerweine. Das hat zwei Gründe: Der Reifungsprozess ist wesentlich komplizierter und schneller als in Europa. Außerdem wird es hier einfach nicht kalt genug. Das ist Gift für Lagerweine. Dennoch produzieren wir Qualitätsweine, echte Genussweine.

Wie wird der Wein hier produziert?
Wir müssen die Aufzucht der Reben dem Klima hier anpassen. Wir können nicht so dicht pflanzen wie in Europa, das würde die Rebe zu sehr „stressen“. Stattdessen brauchen unsere Reben eine dichte Belaubung, die Schatten spendet und vor Sonnenbrand schützt. Aufgrund der klimatischen Bedingungen ernten wir früher als in Europa, also Anfang August. Während in Europa die Ernte erst im September, manchmal im Oktober beginnt. Wir versuchen außerdem, bei möglichst kühlen Temperaturen zu ernten. Danach kommen die Trauben in den Kälteraum, um abzukühlen. Das ist wirklich ein Schlüssel bei der Traubenlese. Ansonsten ist das Prozedere ähnlich wie in Frankreich.

Wie ist der Boden hier?
Wir haben einen Lehm-Kalk-Boden, der das Wasser sehr gut hält. Wir haben im Schnitt etwa 300 mm Regen, dieses Jahr vielleicht 400. Der Boden ist fruchtbar und ermöglicht eine gute Produktion.

Wie sind die Wetterbedingungen? In Frankreich gibt es zum Beispiel den warmen Fallwind „Mistral“.
Hier gibt es auch einen warmen Wind, den Chergui. Es fühlt sich so an, als würden Sie die Tür eines Backofens aufmachen. Die Temperatur liegt bei etwa 40 Grad. Unsere Olivenbäume und Zypressen sowie das dichte Blätterkleid schützen die Reben vor dem Vertrocknen. Im Winter fallen hier die Temperaturen auf unter Null Grad Celsius, es kann bis in den April hinein Frost geben. Wir haben also bestimmte klimatische Risikofaktoren. Aber auch die Kälte ist wichtig für die Rebe, die Ruhe braucht, um sich wieder zu regenerieren. Im Sommer haben wir dagegen Temperaturen von bis zu 40 Grad.

Haben Sie schon mal Probleme gehabt aufgrund des Klimas? Eine verlorene Ernte zum Beispiel?
Ja, durch Hagel und Frost sowie den Chergui im August, der die Rebe austrocknet. Zwischen 2004 und 2008, also in den ersten Jahren, haben wir fast die gesamten Trauben verloren. Damals hatten wir sieben Hektar mit weißen Trauben. Heute sind es 70 Hektar.

Welche Trauben nutzen Sie?
Als Winzer aus dem Bordeaux verwenden wir hauptsächlich Cabernet Sauvignon für die Rotweine. Einige Sauvignons sind sehr fruchtig. Wir pflanzen auch Syrah und Tempranillo. Für die Weißweine verwenden wir vor allem Chardonnay, der besonders in der Bourgogne, in Australien und Kalifornien beliebt ist. Außerdem verwenden wir spezifische Rebsorten wie die Caladoc für die „Vins gris“.

Macht das Klima in Marokko aus den marokkanischen Weinen besondere Weine?
Das glaube ich nicht. Aber wissen Sie, sehr gute Weine entstehen oft unter schwierigen Bedingungen. Ich denke, sie haben ihren eigenen Charakter, sind fruchtig und süffig, echte Genussweine. Wenn man einen marokkanischen Wein trinkt, ist man in Urlaub. Die marokkanischen Weine sollten Sie unbedingt ausprobieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Alexander Bergel, Redaktion KASBAH

Rückblick: Weinland Marokko


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