WELLNESS

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Hammam – Reinigung für Körper und Geist

Hammams – öffentliche Badehäuser – sind seit Jahrhunderten zentraler Bestandteil des städtischen Lebens in Marokko. Ihr Zweck bestand darin, den strengen Hygienevorschriften des Islam gerecht zu werden. Da die wenigsten Wohnhäuser eigene Waschräume besaßen, gehörte der Besuch des Hammams für Marokkaner zum Alltag. Die „Reinigung von Körper und Geist“ war ein religiöses Ritual und fand oftmals vor dem Gang zur Moschee statt.

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Text: Alexander Bergel

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Geschichte und Bedeutung
Hammams, ähnlich den römischen Thermen, verbreiteten sich zur Zeit der islamischen Expansion ab dem 7. Jahrhundert im arabischen Raum. In Marokko wurden sie im 13. Jahrhundert von der muslimischen Berber-Dynastie der Almohaden eingeführt – zuerst in Fes, danach im ganzen Land. Noch heute befinden sich die ältesten, traditionellen Badehäuser in nahezu jeder Medina in marokkanischen Städten. Große Städte zählten dereinst ohne Weiteres 100 Hammams oder mehr. Ihre Bedeutung ging weit über das bloße Reinigungsritual hinaus: Sie waren lebendiger Treffpunkt für Freunde, Familie oder Geschäftspartner. Frauen und Männer blieben stets getrennt. Insbesondere für Frauen ersetzte der Hammam das „Teehaus“: Hier wurden intimste Geheimnisse ausgetauscht, Heiratspläne geschmiedet und der neueste Klatsch und Tratsch verbreitet. Dementsprechend lebhaft und laut konnte es in einem Hammam zugehen – nicht zu vergleichen mit heutigen „Wellness-Oasen“.

Traditionelle Architektur
Ein traditioneller Hammam ist ein nahezu fensterloses Gebäude. Über dem Hauptraum, der in der Mitte des Hammams liegt, spannt sich eine große Kuppel, die das Firmament nachahmt: In sie sind sternenförmige Fenster eingelassen, durch die gedämpftes Licht in das Innere des Hammams fällt. Weitere Fenster gibt es nicht, denn die Intimität der Baderäume soll vor Blicken von außen geschützt bleiben.
Der Hauptraum ist kreisrund. In seiner Mitte befindet sich zumeist der „Nabelstein“: ein geheiztes Steinpodest, auf dem mehrere Personen Platz finden können. An den Wänden des Kuppelraumes befinden sich mehrere kleine marmorne Warm- und Kaltwasserbecken, in die ständig Wasser fließt, denn der Islam schreibt die Reinigung des Körpers mit „fließendem“ Wasser vor. Um den Kuppelraum herum liegen Seiten- bzw. Nebenräume, die unterschiedlich stark beheizt sind. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sind alle Räume gekachelt oder mit Tadelakt verputzt, einem traditionellen marokkanischen Kalkputz, der aus Muschelkalk hergestellt wird und sich durch hohe Festigkeit und Wasserbeständigkeit sowie seinen typischen Glanzeffekt auszeichnet. Die Erfindung dieses Baumaterials, das schon mehrere Tausend Jahre alt sein soll, wird den Berbern zugesprochen.

Der Besuch – das traditionelle Ritual
Der Besuch eines Hammams folgt einem bestimmten Ritual. Nachdem man sich entkleidet und in ein Baumwollhandtuch gehüllt hat, betritt man, mit einer Schöpfkelle ausgestattet, den großen Kuppelraum. Zuerst schöpft man aus einem der Marmorbecken warmes Wasser und schüttet es sich von Kopf bis Fuß über den Körper. Nach dieser Waschung macht man es sich auf dem Nabelstein gemütlich. Bei etwa 50 Grad Celsius und sehr hoher Luftfeuchtigkeit können Geist und Körper nun vollends entspannen. Das um den Körper gewickelte nasse Baumwolltuch trägt dazu bei, dass man weder unterkühlt noch überhitzt. Durch die feuchte, dampfende Luft und die Wärme des beheizten Steinpodests lockern sich die Muskeln, die Hautporen können sich öffnen. Der Körper ist nun bestens auf die Anwendungen des Hammam-Meisters vorbereitet. Dem Schwitzbad folgt die Waschung. Während man sich auf dem warmen Stein ausstreckt, seift der Hammam-Meister die Haut mit schwarzer marokkanischer Olivenölseife ein. Sie wird aus nahezu überreifen Oliven gewonnen, die reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitamin A und B, Folsäure, Eisen, Oleosid und hochwertigen Ölen sind. Dazu taucht der Hammam-Meister einen kleinen Sack aus Leinen in eine Seifenlauge, pustet hinein, um ihn aufzublasen und drückt ihn, bis große Schaumflocken auf den Körper fallen. Danach reibt der Hammam-Meister die Haut sanft mit dem „Kese“, einem speziellen Seiden- oder Ziegenhaarhandschuh, ab. Dabei werden die obersten Hautschichten entfernt und das Bindegewebe durchblutet. Der Stoffwechsel wird angeregt, die Haut fühlt sich samtweich an und kann wieder frei atmen. Nun wäscht, knetet, schrubbt und dehnt der Hammam-Meister den entspannten Körper des Besuchers gut 20 Minuten lang. Wenn die Waschung beendet ist, gönnt man sich etwas Ruhe, am besten mit einem Glas Minztee.

Hammams heute
Die traditionellen Badehäuser verlieren zunehmend an Bedeutung, da marokkanische Haushalte immer öfter mit eigenen Badezimmern ausgestattet sind. Aber es gibt sie immer noch, und ein Besuch in einem traditionellen Hammam lohnt sich allemal: Touristen werden in den öffentlichen Bädern herzlich empfangen. Man kann mühelos Kontakt mit Einheimischen aufnehmen und einen authentischen und faszinierenden Einblick in den marokkanischen Alltag gewinnen. Darüber hinaus besitzt heute fast jedes Hotel seinen eigenen Hammam. Sie sind zu regelrechten Wellnesstempeln avanciert und locken zahlreiche Urlauber an.

Rückblick: Wellness


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