MADE IN MAROKKO

MADE IN MAROKKO

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Die Künstler im
ENDLOSEN TAL

In den Souks von Marrakesch und Fes kann man ihn mit etwas Glück tatsächlich finden − den wunderschönen, traditionellen Silberschmuck der Berber. Sabah, eine französische Ethnologin aus Paris mit marokkanischen Eltern, ist immer wieder begeistert, wenn sie traditionell hergestellten Berberschmuck in den Händen hält. „Wer so etwas herstellt“, schwärmt sie, „muss ein wahrer Künstler sein. Aber wo wird dieser Schmuck heute überhaupt noch gefertigt?“ Sabah ließ diese Geschichte nicht mehr los. Sie begann zu recherchieren und wurde schließlich fündig: im tiefen Süden Marokkos, am äußersten Ende eines fast unendlich langen Tals. Eine Spurensuche von Sabah Rahmani.

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Fotos / Text: Sabah Rahmani

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Mahjoub ist klein und sehr dünn. Seine Haut wirkt etwas matt. Er ist erst 38 Jahre alt, aber man sieht ihm an, dass er körperlich hart arbeitet. Er ist ein bescheidener Typ, einfach gekleidet, schüchtern und zurückhaltend. Ein typischer Kunsthand-werker, der in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Seine Werkstatt und sein Laden befinden sich in den engen Gassen des alten jüdischen Viertels von Zagora. Die Häuser haben kleine dunkle Zimmer, damit die Hitze draußen bleibt. Hier, am Rande der Wüste, kann es im Sommer sehr heiß werden. Seine Werkstatt ist ein dunkler Raum. Tageslicht fällt nur von oben durch einen Schacht ins Zimmer. Der Boden ist nicht gefliesst, sondern besteht aus bloßer Erde. In einer Ecke befindet sich die Feuerstelle. Dort arbeitet er. Mahjoub Douani ist Silberschmied und – neben seinem Vater und seinem Bruder – der letzte Silberschmied in Südmarokko, der die traditionelle Herstellung von Berberschmuck noch beherrscht. „Ich verließ die Schule schon mit 13 Jahren. Mein Vater hat mir alles beigebracht“, sagt Mahjoub. Manchmal schauen ihm seine Kinder bei der Arbeit zu. Er möchte, dass das uralte Wissen um die Herstellungstechnik nicht verloren geht und hofft, dass seine Kinder irgendwann die Werkstatt übernehmen. Jeden Morgen ist Mahjoub schon sehr früh auf den Beinen. Bei Sonnenaufgang entfacht er das Feuer. Erst vier Stunden später kann er mit dem Gießen beginnen. Immer wieder muss er das Feuer anblasen, weil es sonst zu schwach wird. Für die Schmelze braucht Mahjoub die richtige Temperatur. „Jetzt muss man genau aufpassen“, sagt Mahjoub, als er das heiße, flüssige Silber mit einer Kelle in spezielle Formen gießt. „Die Formen gehörten früher einer jüdischen Familie von hier. Mein Vater hat von dem alten Schmied alles gelernt und später die Formen bekommen, über 30 verschiedene. Jetzt habe ich sie“, meint Mahjoub. Wenn das Silber erkaltet ist, werden die Formen umgeworfen. Das gegossene Teil fällt heraus und kann anschließend bearbeitet werden. Hergestellt werden Armbänder, Halsketten, Ohrringe, wunderschöne Broschen aus Silber sowie die berühmten „Kreuze des Südens“. „Unser Silber besorgen wir auf dem Markt. Dort finden sich immer Menschen aus den Dörfern, die ihren alten oder kaputten Schmuck an uns verkaufen. Das wird oft gemacht. Ansonsten schmelzen wir auch Tee-kannen ein, die wir auch wiederum selbst herstellen. Hauptsächlich fertigen wir jedoch Schmuck an. Der wird uns von Händlern aus Marrakesch, Fes und Casablanca abgekauft. 

„Ich verließ die Schule schon mit 13 Jahren. Mein

Vater hat mir alles beigebracht“, sagt Mahjoub.


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Blick in den kleinen Laden von Mahjoub

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Typischer Berberschmuck. Solche „Fibeln“, dreieckige und kreuzförmige Gewandnadeln, werden in Marokko traditionell wie eine Klammer benutzt. Tücher oder Umhänge werden damit zusammengehalten.

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Barak, der Vater von Mahjoub. Er ist 76 Jahre alt. Er lernte das Handwerk bei einer jüdischen Familie. Jetzt ist er im Ruhestand und arbeitet ab und zu im Laden seines Sohnes.


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Abdul formt den Ton zunächst zu einem Klumpen und legt diesen anschließend auf eine Töpferscheibe. Mit den Füßen bringt er über eine Pedale die Töpferscheibe zum Drehen.

Je nach Schmuckstück und Größe erzielen wir zwischen 100 und 500 Dirham.“ In Tamegroute, so erfahre ich, leben südlich von Zagora weitere Handwerkerfamilien, die ebenfalls – wie die Douanis – ihre Fertigungskunst über Generationen weitergeben. Und das seit Jahrhunderten! In Tamegroute besuche ich Abdul. Er lebt, wie es dort heißt, in der „Kasbah der sieben Familien“, die neben Abduls Familie sechs weitere beherbergt. Alle Familienmitglieder arbeiten als Töpfer, zusammengeschlossen in einer Genossen-schaft. Abduls Atelier ist – wie die Werkstatt von Mahjoub – in einem Zimmer ohne Fenster untergebracht. Bei den Töpfern handelt es sich gewissermaßen um klassische Scheibentöpfer. „Den Lehm kaufen wir in einer kleinen Oase, die nur drei Kilometer entfernt ist“, sagt Abdul. Dann kann ich zusehen, wie er einen Tajine-Topf herstellt: Ein Tonklumpen wird durch die schnelle Drehung einer Töpferscheibe mit den Händen zu einem Gefäß ausgezogen. Im Anschluss werden die Tonprodukte zum Trocknen in die Sonne gestellt und danach noch in den mit Holzkohle befeuerten Ofen geschoben. Die Öfen müssen eine Temperatur von 1000 °C erreichen. Sie stehen draußen im Hof. Hier im Drâa-Tal werden die Waren der Töpfer „grüne Keramik“ genannt, da sie durch das Erhitzen im Ofen grün werden. Nach dem Erkalten werden Mängel beseitigt. Die Keramik wird poliert, geschliffen und bemalt, und zwar aus-schließlich mit natürlichen Farben. „Der Preis für einen einfachen mittelgroßen Tajine-Topf beträgt 100 Dirham. Bemalte sind teurer. Aber diese Töpfe dienen nur zur Dekoration. Man kann sie nicht aufs Feuer stellen. Wegen der Farbe kommt die Hitze nicht durch“, meint Abdul.

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