STRANDBAD II

STRANDBAD II

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FILMSTADT AGADIR
DRAMA BABY, DRAMA

Das Urlaubsparadies Agadir entwickelt sich zunehmend zur Filmstadt. Aber anders als in Marrakesch bekommen die Urlauber davon nichts mit. Gedreht wird weder auf der mondänen Strandpromenade noch in den Luxushotels oder im modernen Yachthafen, sondern in einer erst 1992 völlig neu erschaffenen „Altstadt“, der Medina Polizzi. Agadir-Reisende sollten sie unbedingt besuchen!

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Text und Fotos: Sven Kämmerer 

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„Ich habe mich bewusst für Agadir als Drehort entschieden“, sagt Anouar Moatassim, „und das, obwohl man in Ouarzazate oder Marrakesch sehr professionelle Bedingungen vorfindet. Aber hier, in Polizzis Medina, herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Ich wusste sofort, dass unser Team von diesem schönen Ort inspiriert würde. Vielleicht liegt das daran, dass die Medina d’Agadir ja kein Filmstudio im klassischen Sinne ist, sondern ein Kulturzentrum und als solches sehr wichtig für das künstlerische und kulturelle Leben in Agadir. Künstler fühlen sich an solchen Orten einfach wohl. Denn wir wollen letztendlich ja auch nichts anderes, als das künstlerische und kulturelle Erbe am Leben zu erhalten.“ Agadir ist bekanntlich eine moderne Stadt, die keine Medina besitzt. Der italienische Architekt Coco Polizzi konnte sich offensichtlich eine marokkanische Stadt ohne Medina nicht vorstellen. Also erschuf er nach dem Vorbild einer alten Medina einfach eine neue. Da es direkt im Zentrum keine freien Grundstücke gab, stellte die Stadt dem Baumeister im Stadtteil Ben Sergao, gut fünf Fahrminuten vom Stadtzentrum entfernt, ein vier Hektar großes Grundstück zur Verfügung. Hier realisierte Polizzi seine fantastische Vision einer neu erbauten Medina. Das Ergebnis ist beeindruckend. Man kann sich die Medina wie ein kleines Dorf vorstellen: Sie besteht aus mehreren Gebäuden, Gassen, vielen kleinen Läden wie in einem Souk, Restaurants sowie Ateliers für Künstler und Kunsthandwerker. Nachdem man das Eingangsportal passiert hat, gelangt man zunächst auf einen kleinen Patio, der mit handgemalten Mosaiken dekoriert ist. Von hier aus kommt man zu Geschäften und in kleine Gassen – die Medina d’Agadir ist verzweigt wie ein Labyrinth. Darin befinden sich einzelne marokkanische Riads. Geht man weiter, trifft man bald auf ein Amphitheater mit Plätzen für 1 000 Zuschauer. Hier finden Galas, Zeremonien, Hochzeiten und Konzerte statt. Charles Aznavour hat hier schon ein Konzert gegeben.

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„Die Schauspieler und das ganze Team waren sehr diszipliniert und professionell. Für alles – Maske, Dreh, Pausen – gab es einen exakten Plan: Früh um 7.30 Uhr haben wir uns getroffen und miteinander gefrühstückt. Dann ging es an die Arbeit: Die Bühnenbildner haben das Set vorbereitet, Licht wurde gesetzt sowie Ton und Kameras eingestellt. Die Schauspieler gingen in die Maske, dann fing der Dreh an. Vorab haben wir die jeweilige Szene besprochen. Schließlich wurden die Szenen so lange gedreht, bis sie gut waren. Dann ging es weiter. So konnten wir jeden Tag etwa 10 Szenen drehen.“

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Die Medina d’Agadir vereint mehrere Architekturstile. Coco Polizzi hatte sich nicht nur von der Kultur der Berber inspirieren lassen, sondern auch von seiner italienischen Heimat. Auf diese Weise entstand eine verblüffend authentische marokkanische Medina und zugleich eine fantasievolle Location, die sogar mit einem antiken Theater aufwarten kann. Wegen ihrer interessanten Architektur, in der sich unterschiedliche Epochen widerspiegeln, eignet sich die Medina sehr gut als Drehort. Sie startet nun, neben ihrer Funktion als Touristenattraktion, auch eine Filmkarriere. Die Medina d’Agadir soll in Zukunft eine ernstzunehmende Alternative zu den Filmstudios in Ouarzazate und den Drehorten in Marrakesch werden! Vor allem bei historischen Filmstoffen könnte die Medina Polizzi ihre Trumpfkarten voll ausspielen. Die Telenovela über die Geschichten aus „Tausendundeine Nacht“ ist der beste Beleg dafür. Anouar Moatassim, Regisseur der Soap-Opera, fand hier die perfekten Kulissen: „Die Fernsehserie ist von der Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“ inspiriert, die ich als Kind sehr mochte. Da dieses Märchen in Marokko noch nie verfilmt wurde, nutzte ich diese Geschichte als Rahmenhandlung. Der König und Sheherazade sind wichtige Figuren der Serie, die eigentliche Handlung habe ich aber komplett neu geschrieben. Wie jeder weiß, erzählt Sheherazade dem König jeden Abend ein neues Märchen. Ich habe mir die Frage gestellt, was sie tagsüber macht. So entstand die Idee, den Alltag und das Leben von Sheherazade zu beschreiben. Es geht um Liebesgeschichten, Konflikte, Eifersucht und Intrigen. Aber auch um Feinde, die das Königreich erobern wollen. Die Medina Polizzi war dafür wie geschaffen.“

Von der Telenovela „Tausendundeine Nacht“ wurden 30 Folgen produziert. Sie wurden zum Ramadan im marokkanischen Fernsehen ausgestrahlt. Täglich eine Folge zur Prime Time! Gerade an den Abenden im Ramadan, wenn Familien und Freunde gemeinsam essen, wird gern ferngesehen. Die Einschaltquoten sind hoch, es ist die Zeit für große Fernsehproduktionen. Die Erwartungshaltung an die Serie war groß und die Zuschauer schon vor der ersten Ausstrahlung gespannt. Immer wieder wurde vorab diskutiert, wie die marokkanische Sheherazade denn aussehe? Fotos von Schauspielern, insbesondere der Hauptdarstellerin, waren topsecret. Als die Zuschauer sich nach den ersten Folgen endlich ein Bild von „Tausendundeiner Nacht“ machen konnten, war die Begeisterung groß. Viele konnten die nächste Folge kaum erwarten. Inzwischen bekommt der Sender Anfragen aus Kanada, England und Frankreich.

„Es gibt zwar schon eine amerikanische, eine französische und eine ägyptische Verfilmung, aber unsere findet besonders großen Anklang“, meint Anouar Moatassim, der den Erfolg der Serie an der Spannung festmacht. „Wir haben die Serie mit der Szene begonnen, in der der König erfuhr, dass ihn seine Frau betrogen hat. Bekanntlich ließ er sie umbringen. Dann heiratete er jeden Tag eine neue Frau und ließ diese jedes Mal nach der Hochzeitsnacht töten, damit sie ihn nicht ebenfalls betrügen könne. Sheherazade, die Tochter des Ministers des Königs, kennt den König Zeit ihres Lebens. Sie liebt ihn und möchte, dass er sie heiratet. Natürlich will sie nicht das gleiche Schicksal erleiden und mit dieser Tradition brechen. Also: viel Drama! Und alles in maßgeschneiderten Kostümen im marokkanischen Stil. Überhaupt war das marokkanische Kulturerbe – das Handwerk, die Kunst, die Esskultur, die Kleidung – von elementarer Bedeutung für die Serie. Mehr noch: Es war meine Inspiration. Übrigens: Das Ende der Serie ist noch offen. Ich könnte sie über viele Jahre fortsetzen, sodass sie jedes Jahr ausgestrahlt werden könnte. Ich habe noch viele Ideen und würde mich freuen, wenn der Sender weitere Folgen bei mir in Auftrag geben würde.“ Darüber dürfte sich nicht nur Anouar freuen. Denn dann könnten die Besucher der Medina Polizzi Sheherazade live erleben – vorausgesetzt, Anouar lässt sie im Film weiter am Leben.

Info: Agadir und Umgebung

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MARINA VON AGADIR
AGADIR
Agadir ist seit einigen Jahren um eine Attraktion reicher: der beschauliche Yachthafen, die „Marina“. Hier liegen Yachten und hochklassige Segelboote vor Anker. Der Hafen lädt zum Bummeln und Shoppen ein. In den Erdgeschossen der Apartmentgebäude befinden sich Cafés, Restaurants, Eisdielen sowie Sport- und Bekleidungsgeschäfte internationaler Marken.

ALTE KASBAH
AGADIR
Auf einem 236 Meter hohen Hügel direkt vor der Stadt befinden sich die Ruinen der alten Kasbah von Agadir. Die Aussicht vom Hügel hinunter auf die Stadt und die Bucht ist spektakulär, besonders zur blauen Stunde und spät abends.

DER GROSSE SOUK

AGADIR
Der große Markt liegt südöstlich des Zentrums. Besonders lohnenswert ist der Besuch am Samstag.

NACHTLEBEN
AGADIR
Agadir hat ein reges Nachtleben. Wer die Nacht zum Tage machen möchte, kommt in den luxuriösen Hotels, Restaurants, Bars und Diskotheken voll auf seine Kosten.

VALLEE DES OISEAUX
AGADIR
Inmitten der Stadt befindet sich neben Grünanlagen ein schöner zoologischer Garten mit mehreren interessanten Vogelgehegen mit exotischen Vogelarten. Sehenswert.

KARAWANENSTADT
GUELMIM
Südlich von Agadir befindet sich die alte Handelsstadt Guelmim. Im 19. Jahrhundert war Guelmim eine bedeutende Station auf der Karawanenroute zwischen Nord- und Schwarzafrika und besaß einen riesigen Kamelmarkt. Jährlich wurden hier über 20 000 Kamele verkauft. Der einstige Glanz der Karawanenstadt lässt sich bei einem Bummel noch heute nachspüren.

FESTUNGSSTADT

TAROUDANT
Im Landesinneren, vor den Toren Agadirs, befindet sich die uralte Festungsstadt, die für ihre lebendigen Marktplätze berühmt ist. Ob ziselierter Silberschmuck, Dolche, Felle, Teppiche, Stoffe, Kräuter oder Orangenblütenparfum: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Taroudant ist ein Paradies für Souvenirjäger und wird nicht ohne Grund „Klein-Marrakesch“ genannt. Beeindruckend sind auch die Architektur der Stadt sowie das Umland: Taroudant ist von einer acht Kilometer langen, sechs Meter hohen Mauer umgeben. Rings um die Stadt erstrecken sich hübsche Oliven- und Orangenhaine.

SURFERPARADIES

SIDI IFNI
Malerisch zieht sich der kleine, etwas melancholisch wirkende Badeort oberhalb eines schönen, acht Kilometer langen Sandstrandes entlang. Sidi Ifni versprüht eine ganz eigene, charmante Atmosphäre. Die bei Surfern bekannte Stadt mit ihrem besonderen europäisch-afrikanisch-orientalischen Flair ist ein echter Geheimtipp.

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