Aufbruch I Kultur

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FILMLAND MAROKKO

Und … Action!

Das Filmland Marokko boomt. Filmstars wie Tom Cruise und Daniel Craig, Regisseure wie Tom Tykwer und Blockbuster-Produzenten geben sich hier die Klinke in die Hand. Was genau fasziniert Filmschaffende an dem nordafrikanischen Land, das nur einen Katzensprung von Europa entfernt ist? KASBAH ging auf Spurensuche und sprach mit dem marokkanischen Produzenten Karim Debbagh. Einblicke hinter die Kulissen von „Mollywood“.

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Text: Alexander Bergel 

Marokko übt seit jeher eine große Faszination auf Filmschaffende aus, das Land ist seit Jahrzehnten eine beliebte Destination für Filmproduktionen. Auch wenn keine einzige Minute des legendären Liebesdramas Casablanca aus dem Jahr 1942 in Marokko gedreht wurde, so sind dennoch zahlreiche Bibelverfilmungen, Historiendramen und Blockbuster hier entstanden. Bereits 1952 verfilmte Orson Welles Teile seines Klassikers Othello in Essaouira. 1962 wurde das große Wüstenepos Lawrence von Arabien unter anderem in Ait Benhaddou und Ouarzazate gedreht. 1988 entstand Martin Scorceses Die letzte Versuchung Christi in den Atlas-Filmstudios. Krieg der Sterne und die Serie Games of Thrones wurden hier produziert, und die Liste bekannter Filmtitel ließe sich noch lange fortführen. Karim Debaggh, Gründer von Kasbah-Films, kennt die Gründe: „Marokko bietet einfach eine enorm vielseitige Kulisse. Innerhalb von 50 Kilometern kann man von einer Waldlandschaft zu einer Wüsten- oder Gebirgslandschaft gelangen, zu Flüssen, Meer oder Städten. Man findet unterschiedlichste Architekturstile: traditionelle Berberdörfer, beeindruckende Kasbahs, prächtige Paläste, moderne Metropolen. Außerdem herrscht hier ein gutes, stabiles Klima, meistens scheint die Sonne. All das macht Marokko so einzigartig und attraktiv.“

In den vergangenen Jahren erlebte Marokko einen neuen Boom: Allein in 2014 wurden in „Mollywood“ so viele ausländische Produktionen gedreht wie in keinem Jahr zuvor; etwa 130 Millionen Dollar wurden investiert. Die Namen der Produktionen lesen sich wie das Who’s who der großen Blockbuster. Zahlreiche Szenen für Mission: Impossible 5 − der unlängst mit seinem Kinostart weltweit alle Rekorde brach − wurden an verschiedenen Orten im Land gedreht: in der Kasbah Oudaya in Rabat, auf den Straßen des Stadtviertels Derb Sultane von Casablanca sowie im Stadion von Marrakesch. Für den Dreh einer rasanten Verfolgungsjagd wurde ein 40 Kilometer langer Abschnitt der Autobahn zwischen Marrakesch und Agadir für zwei Wochen gesperrt. Alles in allem investierte Mission: Impossible 5 etwa 30 Millionen Dollar in die Dreharbeiten in Marokko − das sind rund 20 Prozent des Gesamtbudgets des Filmes, der ansonsten hauptsächlich in Wien und London gedreht wurde. Des Weiteren wurden 2014 diverse Actionszenen des neuen James-Bond-Films Spectre in Oujda, Erfoud und Tanger gedreht. Tom Tykwer verfilmte den Roman Ein Hologramm für den König von Dave Eggers ebenfalls in Marokko.


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„In den letzten Jahren sind viele ausländische Produktionen auch aus folgenden Gründen nach Marokko gekommen: Das Land ist sicher, politisch stabil und verfügt über eine gute Infrastruktur, speziell für Filmproduktionen“, so Karim Debaggh. „Wir haben qualifizierte Filmteams, unsere Preise sind im internationalen Vergleich günstig. Und: Die zuständige Behörde, das ‚Marokkanische Filmzentrum‘, ist sehr kooperativ und unbürokratisch. Genehmigungen werden schnell erteilt, für jedes Problem findet man eine schnelle Lösung. Man muss bedenken: Bisher waren Tourismus und Landwirtschaft unsere Haupteinnahmequellen. Die Regierung hat erkannt, dass die Filmbranche ein wichtiger Wirtschaftszweig werden kann. Wenn eine Produktionsfirma in Marokko drehen möchte, stehen alle Türen offen. Auch das ist einzigartig an unserem Land.“

Marokko ist in der arabischen und afrikanischen Welt eine der attraktivsten Drehdestinationen. Das Land wartet mittlerweile mit sehr gut ausgebildeten Technikern und Film-Crews vor Ort auf − Ausstatter, Filmbauer, Produzenten, eben alles, was dazu gehört − und verfügt sogar über eigene Filmschulen, etwa die Marrakech’s Superior School of Visual Arts oder das Institut Supérieur des Métiers de l’Audiovisuel et du Cinéma in Rabat. Die Filmszene professionalisiert sich, Marokko mausert sich von der ‚exotisch-orientalischen‘ Drehdestination zum profes-sionellen Produktionsland.

Karim Debbagh hat diese Entwicklung früh erkannt. Der gebürtige Marokkaner studierte an der Filmakademie Ludwigsburg und gründete im Jahr 2007 die Produktionsfirma „Kasbah Films“, um ausländische Filmproduktionen in Marokko zu unterstützen. Seitdem betreute Kasbah-Films zahlreiche Produktionen vor Ort, jüngst erst Tom Tykwers neuen Film „Ein Hologramm für den König“, der 2016 in die Kinos kommen soll. „Wir übernehmen die komplette Produktion ausländischer Filme in Marokko“, sagt Karim. „Anfangs waren das Spielfilme, Dokumentarfilme, Werbung. Heute produ-zieren wir fast ausschließlich Spielfilme. Wir sind für deutsche Filme der allererste Ansprechpartner, übernehmen aber mehr und mehr auch amerikanische Produktionen. Wir kümmern uns um die komplette Crew, vom Kameramann über Lichttechniker bis zum Schau-spieler vor Ort, um die Logistik usw. Der ganze Filmdreh in Marokko liegt in unserer Hand. Wir haben dabei nur eine Vorgabe: das Budget.“ 

Kasbah-Films leistet auch kreative Arbeit. „Wir empfehlen anhand des Drehbuchs Orte, wo gefilmt werden sollte, entwickeln Strategien für den Dreh. In den vergangenen fünf Jahren hatten wir so viele Anfragen, dass wir anfangs Aushilfscrews aus Tschechien, Südafrika oder Spanien engagiert haben. Inzwischen haben wir so viele Mitarbeiter, dass wir zwei bis drei Produktionen parallel betreuen können.“ Als ein großer Abschnitt der Autobahn zwischen Marrakesch und Agadir für zwei Wochen gesperrt wurde, gab es keinerlei Proteste der Autofahrer. Es scheint, als hätten nicht nur die Filmschaffenden das enorme Potenzial dieser Entwicklung erkannt. Marokkos Filmindustrie ist auf dem allerbesten Wege, zu einem bedeutenden und konstanten Wirtschaftsfaktor zu werden. Freuen wir uns auf viele weitere Filme aus „Mollywood“!

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