MADE IN MAROKKO

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DER HERR DER FLIESEN

Abdellah Bougrine ist einer der besten Zellig-Künstler Marokkos. Die Liste der Kunden, die auf seine Dienste zurückgreifen, liest sich wie das Who’s who der Top-Hotels in Marrakesch. Klaus Kopelkert hat Abdellahs Mitarbeiter bei der Arbeit über die Schulter geschaut und Alexander Bergel erklärt uns das Wesen der Zellig-Kunst.

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Text: Alexander Bergel Fotos: Klaus Kopelkert

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Das Wort Zellig stammt aus dem Arabischen (al zulaycha) und bedeutet soviel wie „kleiner polier-ter Stein“. Zellig ist im 10. Jahrhundert in Marokko entstanden, nachdem die Römer das Land verlassen hatten und ihre Mosaiken hinterließen – wie sie zum Beispiel heute noch in Volubilis zu sehen sind. Die Almoraviden, die Almohaden sowie die Berber erschufen daraus eine Kunstform, die wie kaum eine zweite heute für marokkanisches Kunsthandwerk steht. Allein bis ins 14. Jahrhundert erfuhr dieses Kunsthandwerk eine große Blüte: Paläste, Moscheen, Gräber, Patios und Brunnen wurden aufwendig mit Zellig dekoriert. Reisende können zahlreiche Beispiele dieser Baukunst sehen. Zu den Ältesten zählen die Medersa el-Attarine in Fes oder die Medersa Ben Youssef in Marrakesch, die beide aus dem 14. Jahrhundert stammen. Dass diese Kunst aber auch heute noch überaus lebendig ist, beweist die Moschee Hassan II in Casablanca – eine der größten Moscheen der Welt. Das Portal des 1993 fertiggestellten sakralen Bauwerks wurde überaus prunkvoll mit Zellig gestaltet

DAS EXAKTE SCHNEIDEN UND DAS LEGEN DER FIGUREN ERFORDERT EIN HOHES MASS AN PERFEKTION.


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In Abdellahs Atelier in Marrakesch werden aus Fliesen und Kacheln mithilfe eines Spitzhammers in präziser Handarbeit Zellig-Figuren gemeißelt. Die Rohkacheln werden eigens für die Zellig-Produktion hergestellt

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Sehr charakteristisch für Zellig sind geometrische Formen, da im Is-lam die Abbildung von Menschen und Tieren häufig abgelehnt wird. Gängige Grundformen sind zum Beispiel Dreiecke, Kreise, Kreuze und Sterne. Zusammengesetzt in strenger mathematischer Ordnung ergeben sie verschiedenste Muster in perfekter Symmetrie, die sehr oft an ein Kaleidoskop erinnern. Die wichtigsten traditionellen Farben sind blau, grün und gelb, erst im 17. Jahrhundert wurde auch rot verwendet. Zellig-Objekte bestehen immer aus gebrannten, kolorierten und speziell zugeschnittenen Kachelfiguren. Besonders das exakte Schneiden und das Legen der Figuren erfordert ein hohes Maß an Perfektion und Kunstfertigkeit. Die Arbeit ist damals wie heute reine Handarbeit: Auf die gebrannte und mit schöner Mineralfarbe kolorierte Kachel wird mit einem spitzen Ge-genstand eine geometrische Figur aufge-zeichnet. Diese wird mit einem stählernen Spalt- bzw. Spitzhammer ausgeschlagen: Was martialisch klingt, ist präzise, millimetergenaue Arbeit, die nur von geschickten, geübten Händen ausgeführt werden kann. Das Wissen der „Maalem“, so der Name der Zellig-Meister, wird über Generationen tradiert, von Vater zu Sohn und von Schüler zu Meister.

ZELLIG BESTEHT AUS GEBRANNTEN, KOLORIERTEN UND SPEZIELL ZUGESCHNITTENEN KACHELFIGUREN.

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Zellig ist ein unverzichtbarer Bestandteil marokkanischer Dekoration und darf bei der Renovierung eines Riads, eines traditionellen Gästehauses, nicht fehlen. Das Material ist extrem beständig und resistent gegen Feuchtigkeit

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Durch jahrelanges Lernen und vor allem durch viel Übung wird man dann zum Zellig-Meister. Zellig ist ursprünglich ein aristokratisches Kunsthandwerk, das zuerst in Königspalästen, in den Stadthäusern reicher Kaufleute oder in Moscheen Verwendung fand. Prunkvolle Zelligarbeiten, wie etwa im Bahia Palast in Marrakesch oder am Bab Mansour in Meknes, sind dabei nie das Werk eines einzelnen Handwerkskünstlers. Sie entstehen immer in Teamarbeit, gewissermaßen mit der geballten Kompetenz verschiedener Spezialisten. Auch das ist eine Kunst für sich: Solche Gemeinschaftswerke verlangen ein enormes Maß an Detailgenauigkeit und zugleich den Blick fürs Ganze.

Wer einmal vor solch einem grandiosen Mosaik gestanden hat, erahnt die Dimensionen dieser Arbeit. Erst im Laufe der Zeit hat sich Zellig zu einer weit verbreiteten Handwerkskunst entwickelt. Heute findet sie sich in öffentlichen Gebäuden, Hammams und Badezimmern wieder. Auch wenn diese Arbeiten nicht so aufwendig sind, wie in den alten Königspalästen, so zeigt sich auch hier etwas typisch marokkanisches: die Liebe zum Detail.

DAS WISSEN DER „MAALEM“, DER ZELLIG-MEISTER, WIRD ÜBER GENERATIONEN TRADIERT.


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Abdellah in seinem Atelier. Hier werden auch Tischplatten und Spiegel mit Zellig verziert

Rückblick Made in Marokko


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