MEDINA

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DAS BLAU HAT MICH

Die hübsche Stadt Chefchaouen inmitten der Rif-Berge birgt ein mysteriöses Geheimnis: Warum werden die ursprünglich weißen Häuser zunehmend blau angemalt? Das Phänomen lockt immer mehr Künstler und neugierige Touristen nach Chefchaouen. Sven Kämmerer ging der Frage nach und erhielt interessante Einblicke in die fesselnden Legenden. Ein Ortstermin im Norden Marokkos.

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Text: Sven Kämmerer

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Im Norden Marokkos befindet sich Chefchaouen. Die Stadt liegt inmitten der etwas düsteren Berge des westlichen Rif-Gebirges. Wer die Stadt zum ersten Mal betritt, wird völlig überrascht sein. Denn Chefchaouen ist alles andere als düster und erinnert vielmehr an einen zauberhaften Ort aus einem schönen Märchenbuch. Eine Stadt voller Düfte und Farben, mit Tausenden verschiedenen Blautönen. Chefchaouen gehört zu jenen Städten, die ein Reisender in einem Tag erkunden kann, wo man aber gern zwei, drei Tage länger bleibt. Chefchaouen ist bei Weitem nicht so populär wie Marrakesch oder Fes, aber viel entspannter. Die wichtigste Sehenswürdigkeit: die mysteriösen blauen Häuser. Die etwa 70.000 Einwohner zählende Stadt wurde im 15. Jahrhundert zur Zufluchtsstätte für Muslime aus Andalusien. Aus dieser Zeit stammt auch die gut erhaltene Altstadt mit ihren weiß getünchten Giebelhäusern. Chefchaouen, in Marokko nur Chaouen genannt, hat deshalb ein ausgesprochen andalusisches Flair. Der Zutritt zur Stadt war bis 1920, als die Spanier die Stadt eroberten, für Nichtmuslime verboten. Auch heute noch gilt Chefchaouen als heilige Stadt.

Wegen der malerischen Gassen und schönen exponierten Lage inmitten der Berge gehört die Stadt zu den eindrucksvollsten Orten Marokkos, in den sich vor allem Künstler gern verlieben, wie zum Beispiel der 48-jährige Mohsine, der vor 16 Jahren aus Fes nach Chefchaouen kam und blieb. Mohsine betreibt das Rêve Bleu (Der blaue Traum), ein Restaurant mit angeschlossener Kunstgalerie im nördlichen Teil der Medina. „Es sind ja mittlerweile schon viele Künstler in der Stadt. Vor 13 Jahren war das noch anders. Ich hatte als Erster die Idee, eine Galerie zu eröffnen, weil ich meine Bilder ganzjährig ausstellen wollte. Heute gibt es etliche Galerien“, erzählt Mohsine.


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Paul Klees berühmtes Zitat von 1914 ließe sich auf Chefchaouen gut übertragen: „Das Blau hat mich! Ich brauche nicht mehr nach ihm zu haschen. Es hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: Ich und das Blau sind eins. Ich bin Maler.“

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Seine Inspiration schöpft er vor allem aus der Medina. Dort sind praktisch alle Häuser und viele Gassen blau bemalt. Das Spektrum reicht vom sehr hellen, klaren Blau bis zum satten Dunkelblau. Die blauen Kalkfarben – bestehend aus Wasser, Pigmenten und eben Kalk – ergeben ein einmaliges blaues Farbspektakel. Nur: warum ausgerechnet blau? Wann haben die Bewohner von Chefchaouen angefangen, ihre Häuser blau anzumalen? Ursprünglich waren sie ja weiß, und in Chefchaouen gibt es auch heute noch viele weiße Häuser. Um das Wann und Warum ranken sich viele Anekdoten, Theorien und Legenden.

Die am meisten verbreitete Theorie ist, dass die blaue Farbe die Mücken vertreibt, weil die blauen Straßen wie kühle, fließende Gewässer aussehen und so die Mücken abschrecken. Andere sind der Meinung, dass die Juden die blaue Farbe in die Stadt eingeführt haben. Chefchaouen wurde ja 1471 von aus Spanien fliehenden Mauren und Juden gegründet. Als in den 1930er Jahren Chefchaouen erneut zur Zufluchtsstätte für verfolgte Juden wurde, hätten diese ihre Häuser blau bemalt. Das Blau, so heißt es, symbolisiere den Himmel, das Paradies und ein spirituelles Leben. „Völlig falsch“, sagen wiederum andere. „Chefchaouen ist blau, weil das nahe liegende Mittelmeer blau ist“, behaupten sie. Tatsächlich betont man in Chefchaouen stets, dass „das Meer ganz in der Nähe ist“, obwohl es tatsächlich noch über 40 Kilometer von der Stadt entfernt ist. Eine andere Legende besagt, die blaue Farbe beziehe sich auf die Ras-el-Maa-Quelle, die unmittelbar vor den Stadtmauern liegt. „Es ist unsere Quelle des Lebens, hier trinkt jeder daraus“, sagen die Leute. Mohsine, der Maler, liefert noch eine weitere profane, aber einleuchtende Erklärung: „Wenn im Sommer das gleißende Sonnenlicht von den weißen Häusern reflektiert wird, kann das für die Augen sehr anstrengend sein. Das Blau ist viel angenehmer.“

DIE BLAUEN KALKFARBEN – BESTEHEND AUS WASSER, PIGMENTEN UND EBEN KALK – ERGEBEN EIN EINMALIGES BLAUES FARBSPEKTAKEL. NUR: WARUM BLAU?


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Info: Chefchaouen und Umgebung

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GOTTESBRÜCKE
Ein beliebtes Ausflugsziel ist die „Pont de Dieu“, die Gottesbrücke. Diese natürliche Brücke verbindet zwei Felsen in etwa 30 Metern Höhe miteinander, zwischen denen der Fluss Farda entlangfließt. Nach kurzer Anreise mit dem Auto kann man hier wunderbare Wanderungen machen sowie herrlich picknicken oder in einem anliegenden Restaurant essen.

KASBAH
Inmitten der Medina befindet sich die Kasbah mit einem sehenswerten Volkskundemuseum, in dem unter anderem Instrumente und Hochzeitssänften ausgestellt sind. Von den Mauern der Kasbah lohnt sich der Blick auf die Medina und die landschaftliche Umgebung.

RAS EL MA
Zur in der Nähe von Chefchaouen gelegenen Quelle Ras El Ma lassen sich verschiedene Wanderungen unternehmen. Gleich bei der Quelle liegt ein schönes Café-Restaurant.

WOCHENMARKT
Montags und donnerstags findet
ein Wochenmarkt statt. Chefchaouen ist bekannt für seine traditionelle Handwerkskunst wie zum Beispiel Lederwaren, Djellabas, Keramik oder Teppiche, die hier erworben werden können.

AL HOCEIMA
Die Fischerstadt wurde 1926 gegründet. Aufgrund der traumhaften Lage zählt sie zu den attraktivsten Badeorten Marokkos. Die Strände und Buchten eignen sich hervorragend zum Surfen, Tauchen und Wasserskifahren. Ausrüstung kann vor Ort geliehen werden. Vom Ortszentrum im spanischen Stil mit seinen Cafés, Hotels und Gärten eröffnet sich ein grandioser Blick auf die benachbarte Meeresbucht. Sehenswert ist auch der Hafen: Hier kann man den Fischern bei der Arbeit zusehen und sogar mit ihnen aufs Meer fahren!

TANGER
Tanger besticht nicht nur durch das mediterrane Klima und die langen Strände. Es ist das koloniale Flair der „nouvelle ville“ sowie die charmante Medina mit den unzähligen Gassen und Plätzen, die Tanger viel Charme verleihen.
Der Petit Socco (spanisch für Souk) ist das pulsierende Herz der Medina. Sehenswert sind die kleinen Läden. Am Grand Socco, der zwischen Medina und Neustadt liegt, findet man zahlreiche gute Restaurants und nette Cafés sowie den großen Wochenmarkt. Die Kasbah aus dem 12. Jahrhundert ist eine der Hauptattraktionen von Tanger. Sie beherbergt den ehemaligen Sultanspalast und mehrere Museen. Die Kasbah wurde auf dem höchsten Punkt gebaut. Von dort hat man einen einmaligen Panoramablick über beide Kontinente.

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