STRANDBAD II

STRANDBAD II

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Legzira

DER ALTE MANN UND DAS MEER

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Text: Mohamed Eddib, Fotos: Willy Vlodaceck

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Mohamed hatte eigentlich andere Pläne. Er arbeitete in Schweden und seine Heimat war weit weg. Doch als sein jüngerer Bruder im Jahr 2000 ein Grundstück direkt an der Steilküste von Legzira kauft, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Gemeinsam bauen sie ein Haus und verwandeln es nach und nach in ein Hotel. „Ich war damals nicht wirklich interessiert, hierher zu kommen, um etwas zu bauen, denn ich kam nach Legzira, um Urlaub zu machen. Mein Vater hat mich schließlich überzeugt, in das Projekt einzusteigen. Nach und nach fing ich an, Pläne zu zeichnen. Hier ein Zimmer, da noch eins. Ich fand immer mehr Gefallen an der Idee, einen Ort zu schaffen, wo Leute aus aller Welt herkommen, Zeit miteinander verbringen, sich kennen lernen, Urlaub machen“, sagt Mohamed. Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung konnte das Hotel eröffnet werden. „Les Sables d’Or“ ist heute eines von drei Hotels in Legzira. Der Strand ist für seine Naturwunder weltbekannt: riesige, vom Meer ausgehöhlte Felstore. Ihr Anblick ist derart spektakulär, dass sie in keinem Reiseführer oder Werbekatalog fehlen dürfen. Keine schlechte Location für ein Hotel, das in seiner konsequenten Einfachheit unübertroffen bleibt. Verglichen mit den Luxushotels der Palmeraie in Marrakesch trennen diese Etablissements keine Welten, sondern ganze Galaxien. Aber auf großen Luxus kommt es in Legzira gar nicht an. Hier zählen andere Werte. Mohamed erklärt uns, welche.

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Der 63-jährige Mohamed beim Einkauf auf dem Markt in Sidi Ifni. „Ich kaufe nur bei Landwirten aus der Region“, sagt Mohamed. Der Souk findet jedes Wochenende statt. Gemeinsam mit seinem Bruder führt er ein Hotel mit Restaurant. Beide leben zeitweise in Schweden und in Marokko. „Im Sommer und Winter kümmere ich mich um die Pension. Im Frühjahr und Herbst übernimmt mein Bruder“, sagt Mohamed

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Als wir das Grundstück gekauft haben, war nichts als die Klippe da. Wir haben alles in Handarbeit erledigen müssen. Das Terrain war für Bagger und Transportfahrzeuge nicht zugänglich. So mussten wir direkt in den Berg graben, um eine flache Ebene zu schaffen. Ohne Maschinen, nur mit dem Spatenstich. Damals gab es keine Straße, die hierhin geführt hat. Zement, Sand und Steine haben wir mit der Karre transportiert. Das war sehr aufwendig, weil der Lkw immer auf der zwei Kilometer entfernten Straße angehalten hat und wir alles bis zum Grundstück transportieren mussten. Die Treppe, die von oben bis nach unten zum Strand führt, habe ich mit meinem Bruder zusammen gebaut. Alle Leute, die heute zum Strand wollen, nehmen diese Treppe.“

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Links: Entspannte Atmosphäre beim Frühstück auf der Hotelterrasse Rechts: Grillen auf der Hotelterrasse. Auf der Speisekarte stehen alle marokkanischen Spezialitäten, vor allem Fisch. „Wenn die Gäste spezielle Wünsche haben, wie beispielsweise gegrillte Hummer oder Langusten, dann kaufe ich das in Sidi Ifni“, sagt Mohamed

Als Kinder haben wir hier oft gespielt. Und sie sind immer noch nicht eingestürzt. Solange ich denken kann, gibt es sie, diese riesigen Torbögen. Irgendwie haben sie mein ganzes Leben begleitet und geprägt. Diese merkwürdigen ausgehöhlten Felstore, der Strand, die Klippe – und vor allem das Meer. Ich bin hier in der Nähe geboren. Es war die Zeit des spanischen Protektorats. Seitdem hat sich Marokko ganz schön verändert. Aber unser kleiner Strand ist immer noch so ursprünglich wie früher. Das mag nicht modern klingen, soll es auch gar nicht. Solche Rückzugsorte wie hier werden kostbar, weil es immer weniger davon gibt. Wir haben hier in gewisser Hinsicht Glück gehabt oder besser gesagt – keinen Platz für große Bauprojekte. Und ich bin nicht der einzige, der das so empfindet.

Legzira ist immer noch urig. Bis vor drei Jahren gab es hier kein Stromnetz. Wir waren auf Stromgeneratoren angewiesen, die des öfteren ihren Geist aufgegeben haben. Dann mussten wir mit Kerzen improvisieren. So ist das eben in Legzira. Und die Gäste lieben es. Die Reisenden suchen an diesem Strand die Stille. Sie wollen zur Ruhe kommen. Hier können sie die Kraft der Natur aufsaugen. Die ist hier allgegenwärtig. Jeder spürt das. Man muss sich nur die Klippe anschauen und sehen, was das Wasser mit der Falaise angestellt hat. Unser Strand ist etwa zwei Kilometer lang, dann erreicht man das erste Felstor, etwas weiter dann das nächs-te. Innerhalb der Bögen spürt man die ganze Wucht des Meeres und die Erhabenheit der Natur. Da kommt Demut auf. Das bietet kein „Wellness-Beauty-Programm“. Europäer, Chinesen oder gestresste Marrakchi: Alle sind erfasst von der Magie, die dieser Ort ausstrahlt. Manche bleiben fünf Tage, manche zwei Wochen, manche wandern bei Ebbe am Strand bis nach Sidi Ifni zu Fuß. Das sind immerhin 10 Kilometer. Wer eine solche Strandwanderung gemacht hat, wird sie sein ganzes Leben lang nicht vergessen. Wer wird sich schon nach geraumer Zeit an ein teures Hotelzimmer erinnern?


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Info: Agadir und Umgebung

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MARINA VON AGADIR
AGADIR
Agadir ist seit einigen Jahren um eine Attraktion reicher: der beschauliche Yachthafen, die „Marina“. Hier liegen Yachten und hochklassige Segelboote vor Anker. Der Hafen lädt zum Bummeln und Shoppen ein. In den Erdgeschossen der Apartmentgebäude befinden sich Cafés, Restaurants, Eisdielen sowie Sport- und Bekleidungsgeschäfte internationaler Marken.

ALTE KASBAH
AGADIR
Auf einem 236 Meter hohen Hügel direkt vor der Stadt befinden sich die Ruinen der alten Kasbah von Agadir. Die Aussicht vom Hügel hinunter auf die Stadt und die Bucht ist spektakulär, besonders zur blauen Stunde und spät abends.

DER GROSSE SOUK

AGADIR
Der große Markt liegt südöstlich des Zentrums. Besonders lohnenswert ist der Besuch am Samstag.

NACHTLEBEN
AGADIR
Agadir hat ein reges Nachtleben. Wer die Nacht zum Tage machen möchte, kommt in den luxuriösen Hotels, Restaurants, Bars und Diskotheken voll auf seine Kosten.

VALLEE DES OISEAUX
AGADIR
Inmitten der Stadt befindet sich neben Grünanlagen ein schöner zoologischer Garten mit mehreren interessanten Vogelgehegen mit exotischen Vogelarten. Sehenswert.

KARAWANENSTADT
GUELMIM
Südlich von Agadir befindet sich die alte Handelsstadt Guelmim. Im 19. Jahrhundert war Guelmim eine bedeutende Station auf der Karawanenroute zwischen Nord- und Schwarzafrika und besaß einen riesigen Kamelmarkt. Jährlich wurden hier über 20 000 Kamele verkauft. Der einstige Glanz der Karawanenstadt lässt sich bei einem Bummel noch heute nachspüren.

FESTUNGSSTADT

TAROUDANT
Im Landesinneren, vor den Toren Agadirs, befindet sich die uralte Festungsstadt, die für ihre lebendigen Marktplätze berühmt ist. Ob ziselierter Silberschmuck, Dolche, Felle, Teppiche, Stoffe, Kräuter oder Orangenblütenparfum: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Taroudant ist ein Paradies für Souvenirjäger und wird nicht ohne Grund „Klein-Marrakesch“ genannt. Beeindruckend sind auch die Architektur der Stadt sowie das Umland: Taroudant ist von einer acht Kilometer langen, sechs Meter hohen Mauer umgeben. Rings um die Stadt erstrecken sich hübsche Oliven- und Orangenhaine.

SURFERPARADIES

SIDI IFNI
Malerisch zieht sich der kleine, etwas melancholisch wirkende Badeort oberhalb eines schönen, acht Kilometer langen Sandstrandes entlang. Sidi Ifni versprüht eine ganz eigene, charmante Atmosphäre. Die bei Surfern bekannte Stadt mit ihrem besonderen europäisch-afrikanisch-orientalischen Flair ist ein echter Geheimtipp.

Rückblick Strandbad II


AUSGABE NO.3

  • STRANDBAD II IMG_2002

    JENSEITS DER PROMENADE
    Es gab Zeiten, da waren die Meinungen über Agadir geteilt. Für Badeurlauber ist Agadir seit jeher ein Begriff der Glückseligkeit, die Fraktion der Bademuffel konnte sich jedoch nicht immer mit dem modernen Seebad identifizieren…

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AUSGABE NO.2

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    DRAMA BABY, DRAMA
    Das Urlaubsparadies Agadir entwickelt sich zunehmend zur Filmstadt. Aber anders als in Marrakesch bekommen die Urlauber davon nichts mit. Gedreht wird weder auf der mondänen Strandpromenade…

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AUSGABE NO.1

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    AGADIR – NO SPORTS, NO FUN
    „Mein Sohn liebt das Surfen“, berichtet Heather Cowper. „Deswegen war es auch nicht so einfach für uns, einen geeigneten Urlaubsort zu finden. Wir haben alle unterschiedliche Interessen.“ Familie Cowper ist zu fünft…

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