WEINLAND MAROKKO

WEINLAND MAROKKO

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WEINLAND MAROKKO

Der Perfektionist

Monsieur Poulain, Sie ernten derzeit. Sind Sie zufrieden mit dem Ertrag?
Wir sind gerade mit der Ernte der weißen Trauben fertig geworden. In Kürze werden wir mit den roten weitermachen, dem größten Teil der Ernte. Die müssen noch etwas reifen. Daher nur soviel: Es sieht vielversprechend aus. Die Trauben sind von wunderbarer Qualität, wir werden großartige Weine daraus herstellen können.

Sie kommen aus Frankreich. Hatten Sie dort früher auch ein Weingut?
Nein. Ich komme aus Arcachon in der Nähe von Bordeaux. Die Leidenschaft für Wein habe ich von meinem Vater geerbt. Er war ein Liebhaber von Bordeaux- und Burgund-Weinen. Als Kind begleitete ich ihn oft auf Weingüter von Freunden. Die Atmosphäre der Weinkeller hat mich schon damals fasziniert. Nach dem Studium habe
ich in einer Beratungsfirma für Weinanbau gearbeitet.

Wie sind Sie nach Marokko gekommen?

Ich hatte einfach Lust, im Ausland zu arbeiten. Die Gelegenheit mit Marokko ergab sich sehr schnell. Ich hätte auch in Südafrika ein Weingut übernehmen können, habe mich aber für Marokko entschieden.

Um gleich Ihr Weingut La Ferme Rouge zu gründen?
Nein. Ich arbeitete erst 13 Jahre lang bei einem großen marokkanischen Weinproduzenten. Meine Aufgabe war, private Winzer bei der Auswahl der Rebsorten, den Zuchtmethoden und der Weinproduktion zu beraten und danach die Ernte zu vermitteln. Während dieser Arbeit habe ich meinen jetzigen Partner kennengelernt. Wir arbeiteten zusammen, ich habe ihn dabei unterstützt, sein Weingut aufzubauen. Anfangs war es 130 Hektar groß, heute misst es insgesamt 980 Hektar! Eines Tages bat er mich, sein Partner zu werden. 2009 haben wir dann das Unternehmen „La Ferme Rouge“ gegründet. Das Abenteuer begann.


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Wo genau liegt Ihr Weingut „La Ferme Rouge“?
Sie liegt zwischen Rabat und Rommani im Ort Had-Brachoua, auf einer Hochebene in 400 Meter Höhe. Der Atlantik ist nur 35 Kilometer entfernt. Das Grundstück ist wunderschön und außergewöhnlich gut gelegen.

Wie ist denn das Klima? Ist diese Region gut geeignet für den Weinanbau?
Das Meeresklima ist hier deutlich spürbar, sogar der Einfluss von Ebbe und Flut. Das verleiht unseren Weinen Frische und Fruchtigkeit, im Gegensatz zu den kräftigen und mächtigen Weinen, die man beispielsweise in der Region von Meknes findet. Dort ist das Klima kontinental, der Boden ton- und kalkhaltig; es ist schwierig, einen ausgewogenen Wein herzustellen. Anders bei uns: Wir haben hier einen roten, sandigen Lehm- und Schieferboden. Zudem gibt es große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, im September sind es nachts beispielsweise um die 20-22 Grad, also nicht so heiß. Das ist optimal für die Trauben: Sie können langsam und ohne Stress reifen. Trauben vertragen keine Gewalt, alles muss langsam und sanft passieren.

Wie viele Weinsorten produzieren Sie?
In Marokko werden zwar überwiegend Rotweine getrunken, wir produzieren aber auch Grau-, Rosé- und Weißweine. Da wäre unsere Weinpalette „Cuvée du Terroir“: Einfache Weine in allen vier Farben, also weiß, grau, rosé und rot. Eine höhere Qualität hat die Weinpalette „La Petite Ferme“, das sind Weiß-, Grau- und Rotweine. Die Weine „Terres Rouges“ und „Terres Blanches“ liegen mir ganz besonders am Herzen. Sie repräsentieren unseren Boden am besten. Zu den anspruchsvollen Weinen gehört der „Terres Sauvages“ als Rot-, Weiß- und Roséwein, unser Spitzenwein ist der „Odyssée“. Wir haben auch Weine, die ausschließlich für renommierte Institutionen wie das La Mamounia produziert werden. Der Wein für La Mamounia heißt „Icône“, den kann man nur dort trinken.

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Welche Besonderheiten gibt es bei der Produktion? Was ist das Geheimnis Ihrer Weine?
Wir ernten von Hand, sodass die Trauben unversehrt bleiben, frühmorgens, bevor die Hitze kommt. Dann lassen wir die Trauben zunächst auf zehn bis acht Grad abkühlen, denn warme Trauben oxidieren und gären schnell. Je weniger Oxidation, desto mehr Aroma. Ich lege viel Wert auf Geschmack und Beschaffenheit der Trauben. Wie dick ist die Haut, wie dicht das Fruchtfleisch und: Wie schmecken die Traubenkerne? Darin liegt das Geheimnis. Wenn der Geschmack der Kerne nicht zu herb ist, kann man Spitzenweine produzieren: weich, kraftvoll, aber nicht aggressiv und mit wenig Adstringenz, also Bitterkeit. Wichtig ist der Unterschied zwischen theoretischer Reife einerseits, also dem Zucker- und Säuregehalt und der pH-Balance, und der reellen Reife andererseits, also der Reife der Tannine. Ich bin das ganze Jahr auf dem Weinberg, gebe Anweisungen, beobachte die Arbeit und die Weinreben. Wenn wir feststellen, dass eine Parzelle zu viele Trauben trägt, dann schneiden wir die Trauben ab und lassen sie als Dünger liegen. Wir stellen unseren eigenen Dünger her, arbeiten mit Kompostmaterialien, Bordeauxbrühe und Schwefel, alles natürlich, kein Unkrautvernichtungsmittel. Wir pflegen eine sehr verantwortungsvolle Arbeitsweise.

Haben Sie schon mal eine Ernte aufgrund der klimatischen Bedingungen verloren?
Nein, bisher nicht. Ich habe Weinberge in der Nähe gesehen, die vom Hagel völlig zerstört wurden. Aber wir hatten bisher noch keine Probleme, auch nicht mit der Hitze. Wir sind in einer Region, wo es hin und wieder regnet, 450-500 Millimeter im Jahr, das reicht aus. Weinreben benötigen wenig Wasser. Wir fangen außerdem Regenwasser auf, das wir in großen Becken lagern, bis zu 540.000 Kubikmeter pro Jahr, was sehr viel ist. Wir haben also eine große Wasserreserve, man nennt das Ergänzungsbewässerung. Das größere Problem in Marokko ist ein ganz anderes: die Weinlagerung. Sobald die Weine auf dem Markt sind, werden sie manchmal bei Temperaturen von bis zu 50 Grad gelagert. Das kann zu unangenehmen Überraschungen führen!

Was unterscheidet marokkanische von französischen Weinen?
Sie entstammen beide dem Mittelmeerraum, haben eine schöne Robe, sind vollmundig und geschmeidig, oft würzig, sehr fruchtig, manche sehr frisch. Man kann marokkanische Weine jedoch nicht mit bestimmten Weinen aus Bordeaux oder Burgund vergleichen, dort sind sie heute noch nicht angekommen. Andererseits gibt es gute marokkanische Weine, die besser sind als manche französischen. In den letzten 20 Jahren hat sich die Qualität deutlich verbessert!

Sie engagieren sich sehr für den marokkanischen Wein!
Ja, dafür kämpfe ich seit 20 Jahren! Eines muss sich in den Köpfen der Menschen ändern: Marokkanische Weine sind bei Weitem nicht nur „Couscous-Weine“. Sie sind besser als ihr Ruf und verdienen es, ihren „Adel“ wiederzuerlangen. Wir haben in Rommani ein geschütztes „AOC“-Anbaugebiet initiiert und gegründet, das zweite in Marokko. Wir waren die Ersten, die die Weine unserer Region Zaers bekannt machten und Flaschen mit garantierter Herkunftsbezeichnung abgefüllt haben. Ich war der Meinung, dass unsere Region die AOC ebenso gut verdient wie die Region Meknes. Das AOC-Anbaugebiet, das wir gegründet haben, heißt „Côtes de Rommani“. Ein wirklich historisches Ereignis in der Geschichte der marokkanischen Weine!

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Corinne Vastel, Redaktion KASBAH

Rückblick: Weinland Marokko


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