Aufbruch I Kultur

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EIN GESPRÄCH MIT TAHAR BEN JELLOUN

Der Missionar

Tahar Ben Jelloun, geboren 1944 in Fes, gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb. Ben Jelloun, der heute in Paris lebt, erhielt zahlreiche renommierte internationale Preise. In seinem neuen Buch entwirft er das Modell einer besonderen Kinderpädagogik zur frühzeitigen Bekämpfung von Intoleranz.

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Interview: Kasbah 

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Tahar Ben Jelloun, 1944 in Fes in Marokko geboren, studierte Philosophie in Rabat. 1971 ging er nach Paris, wo er sich als Publizist und Schriftsteller niederließ. Für „Die Nacht der Unschuld“ erhielt er 1987 den Prix Goncourt. Tahar Ben Jelloun gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb. Er lebt in Paris und Tanger.

In Ihrem Buch „Der Islam, der uns Angst macht” erklären Sie einfach, klar und präzise sehr komplizierte Zusammenhänge ohne simple Schuldzuweisungen. Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich festgestellt ha-be, wie unzureichend viele Europäer informiert sind und weil sie daher Vorurteile gegen den Islam und Muslime entwickelt haben. Nach den Anschlägen in Paris wurde aus Misstrauen Angst: die Angst vor dem Islam und vor Muslimen. Man verwechselt oft Islam und Islamismus, Religion und Terrorismus. Kurzum: Ich musste etwas tun, berichtigen, korrigieren und Fakten bringen, um besser zu verstehen, was vor sich geht. Ich weiß nicht, ob dieses Buch helfen wird, die Haltung bei einigen Deutschen oder Franzosen zu ändern, aber ich habe meine Pflicht als Schriftsteller und als Angehöriger einer muslimischen Kultur getan. Es wird aber mehr als ein Buch nötig sein, um Mentalitäten zu verändern.

Sie schreiben, wie Hass und Intoleranz mittelfristig zu beherrschen seien, wie man ihnen vorbeugen könnte. Ziel sei, „eine anspruchsvolle Pädagogik zu entwickeln, um auf tiefgreifende objektive Weise gegen die Abwege zu kämpfen”. Was genau meinen Sie damit?
Die Kindererziehung ist von grundlegender Bedeutung. Man muss mit den Kindern sprechen, denn sie sind noch unvoreingenommen und haben sich noch nicht von Vorur-teilen leiten lassen. Hass und Intoleranz lassen sich nicht mit Worten oder Moral bekämpfen. Man muss viel weiter- gehen und Kindern Fakten und Wissen vermitteln, bevor sie in Versuchung geraten, Vorurteile zu entwickeln, die von Hass, Angst und Unwissenheit geprägt sind. In den Schulen muss das Fach Religion unterrichtet werden, und zwar so, dass Wissen vermittelt wird und keine Meinung, ebenso wie im Geschichtsunterricht. Diese Herangehens-weise sollte man auf alle Bereiche übertragen: die Kunst, die Filme, die Malerei, die Musik, sogar das Essen. Alles sollte dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Ich möchte daran erinnern, dass der Islam als monotheistische Reli-gion genauso wie das Judentum und das Christentum davon inspiriert ist, die Menschheit besser, gerechter, menschlicher, solidarischer und friedlicher zu machen.


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Der Islam, der uns Angst macht 2015, 128 Seiten Klappenbroschüre Hardcover / E-Book Berlin Verlag

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Papa, was ist der Islam? Gespräch mit meinen Kindern 2013, 208 Seiten Taschenbuch / E-Book Berlin Verlag

In Marokko, Ihrem Herkunftsland, ist von Hass und Intoleranz nichts zu spüren. Weder in den Atlasbergen, noch in Fes oder in Marrakesch. Ticken die Marokkaner einfach anders?
Nein, ich bin nicht Ihrer Meinung, die Marokkaner haben wie alle anderen auch ihre Stärken und Schwächen. Allerdings empfinden sie keinen Hass gegen Christen und Juden. In Marokko hat Rassismus keine Tradition (…). Marokkaner haben mit Juden stets in Frieden zusammengelebt.

Würden Sie Ihren Freunden, die keine Marokkaner sind, empfehlen, nach Marokko zu reisen?
Selbstverständlich würde ich das. Zum einen, weil es ein sehr schönes, vielfältiges und sehr gastfreundliches Land ist. Zum anderen, weil es nichts besseres gibt, als einen direkten Kontakt zur Bevölkerung zu haben. Das ist das beste Mittel, um Vorurteile abzubauen. Man sollte in dem Land nicht einfach nur seinen Urlaub verbringen, vielmehr hat Marokko es verdient, dass man über das Land spricht – denn es ist ein außergewöhnliches Land mit toleranten Menschen.

Was ist Ihr Lieblingsort in Marokko?
Künstler zieht es ja gemeinhin an besondere Orte. Beispielsweise ließen sich Schriftsteller wie Truman Capote, Paul Bowles und  William Barrows vom Ambiente des Café Hafa in Tanger inspirieren. Was ist Ihr Geheimtipp?

Ich kann Ihnen leider mit einem solchen Tipp nicht dienen. Es gibt keine Inspiration. Die wahre Inspiration besteht aus Fleiß, einem hohen Anspruch an sich selbst und der alltäglichen Arbeit.

Vielen Dank für das Gespräch.


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