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MEKNES
DAS ORIENTALISCHE VERSAILLES

Als Moulay Ismail 1672 an die Macht kommt, ist er erst 26 Jahre alt. Der junge Herrscher hat einen ambitionierten Plan. Mit eiserner Macht will er ein Provinznest, das sich im Herzen einer fruchtbaren Hochebene am Fuße des Mittleren Atlas befindet, zur Hauptstadt seines Reiches machen. Mehr noch: Er will dieses Dorf in eine prestigeträchtige Königsstadt verwandeln: innen viel Prunk, außen eine uneinnehmbare Festung. Während seiner 50-jährigen Herrschaft plagt ihn geradezu wahnhaft ein Gedanke: „Wie kann ich werden wie er? Wie kann ich werden wie der französische König Ludwig der XIV?“

Marrakesch, Rabat und Fes hatte er als Hauptstädte für sein Reich bereits abgelehnt. Nun will er einem ehemaligen Militärlager mit dem Namen Meknes, das im 11. Jahrhundert gegründet wurde, neues Leben einhauchen. Die neue Königsstadt sollte seinen Ruf weltweit verbreiten, im wahrsten Sinne des Wortes untermauern. Moulay Ismail richtete riesige Baustellen ein. Mehr als 40 Kilometer Stadtmauer wurden um die Stadt herum gebaut. Wunderschöne Stadttore von gigantischem Ausmaß wurden errichtet. Das arabisch-andalusische Bauwerk Bab el-Mansour gilt seitdem als das wichtigste und größte Tor Marokkos, ja Nordafrikas.

Moulay Ismail, der Gründer der Alaouiten-Dynastie und geniale Baumeister, war ambitioniert und Visionär. Er verwandelte ein bedeutungsloses Städtchen in ein „marokkanisches Versailles“. Um Meknes herum ließ er 76 Festungen bauen. Innerhalb der hohen Mauern der Stadt erschufen seine Arbeiter einen prächtigen Palast, Moscheen, Medersen, Gärten und Wasserwerke, die durch ihre Vielfalt und architektonische Einheit heute noch beeindrucken. Meknes wurde 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

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Text: Arnold Betten / Sven Kämmerer 

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Links: Meknes ist das größte Weinanbaugebiet Marokkos Mitte: Interessantes Ausflugsziel: Nur knapp 30 Kilometer nördlich von Meknes befindet sich der Wallfahrtsort Moulay Idriss Rechts: Wer von Moulay Idriss nur wenige Kilometer weiterfährt, gelangt nach Volubilis, der größten römischen Ausgrabungsstätte Marokkos


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Die imposante Anlage Bab el-Mansour

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Links: Das prachtvolle Mausoleum von Moulay Ismail  Rechts: Im Mausoleum von Moulay Ismail

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Links: Die Souks von Meknes gehören zu den interessantesten des Landes  Rechts: Das Fantasia-Reiterspiel findet einmal im Jahr statt

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Links: Der perfekte Ort für eine Halloween-Party. Das Kara- Gefängnis  Rechts: Die riesigen Stallungen
des Heri es-Souani

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Links: Die Region Meknes gilt als die fruchtbarste des Landes. Hier gedeiht fast alles  Mitte: Das Stadttor Bab Moulay Ismail  Rechts: Im Mausoleum von Moulay Ismail

Heute steht Meknes etwas im Schatten der anderen Königsstädte. Zu Unrecht, denn Ein Besuch von Meknes ist ein echter Geheimtipp

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Die in etwa 550 m Höhe gelegene Stadt mit ihren ca. 500.000 Ein­wohnern gehört neben Fes, Marrakesch und Rabat zu den vier Königsstädten Marokkos. Bereits im 10. Jh. u. Z. hatten sich Berberstämme der Meknassa, die ihr Nomadenleben aufgegeben hatten, in der fruchtbaren Hochebene (meseta) des Nordens niedergelassen. Im Jahr 1063 ließ der Almoraviden-Führer Youssouf Ben Tachfin eine erste Festung errichten, die von den Almohaden unter Abd el Moumen 1145 zerstört wurde. Letzterer ließ eine neue Stadtanlage mit quadratischem Grundriss planen, die in almoha-discher und meri­nidischer Zeit eine gewisse Bedeutung erlangte, worauf die noch erhaltene Medersa Bou Inania hinweist.

In den Wirren der folgenden Jahrhunderte mit ihren Rebellionen und Plünderungen der Berber verlor Meknes jedwede Bedeu-tung und verfiel in eine Agonie, aus der es erst gegen Ende des 17. Jh. von Moulay Ismail, dem zweiten Herrscher aus der Dynastie der Alaoui­ten, herausgerissen wurde. Für seine an Größenwahn grenzenden Vorstellungen von einer neuen Hauptstadt eines wiedervereinigten Marokko mit einem riesigen Regierungsviertel benötigte er Platz, der ihm in Fes und Marrakesch nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stand. Mit der Hilfe von 30.000 Arbeitern wurden viele Gebäude abge-rissen, um eine wahrhaft imperiale Stadt mit Palästen, Gärten, Moscheen, Stallungen und Speichern zu bauen, die mit Mauern von über 40 km Länge umgeben wurden. Die Arbeiter waren zwar in der Lage, Stadt- und Palastmauern in traditioneller Technik aus Stampflehm, der mit kleinen Steinen vermischt wurde, zu errichten, oder riesige Gefängnisse auszuschachten, nicht aber dazu, eine dekora­tive Ausstattung zu schaffen; daher wurden diese Dinge als Spolien aus dem antiken Volubilis oder aber aus dem EI Badi-Palast in Mar­rakesch herbeigeschafft. Beim Tod Moulay Ismails im Jahr 1727 war das gewaltige Vorhaben bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Seine Söhne verwickelten sich in Thronstreitigkeiten, Fes wurde wieder zur Hauptstadt des Landes erkoren, und die Bauten in Meknes dien­ten nun ihrerseits als Steinbruch. Einen neuen Aufschwung erlebte die Stadt erst zu Beginn des 20. Jh., als die Franzosen die Bedeutung des fruchtbaren Umlands für die expandierende Landwirtschaft erkannten. Heute steht Meknes etwas im Schatten der anderen Königsstädte Rabat, Fes und Marrakesch. Zu Unrecht. Sicherlich hat Meknes kein Spektakel wie Marrakesch zu bieten. Auch erfährt der Besucher keine Zeitreise ins Mittelalter, wie das in Fes der Fall ist. Wer aber bereit ist, sich auf den besonderen, etwas verblassten Charme einer Königsstadt mit einst atemberaubender Architektur einzulassen, wird eine unvergessliche, hinreißende Entdeckungsreise erleben abseits der Touristenströme. In gewisser Hinsicht ist der Besuch von Meknes ein echter Geheimtipp.


Infos: Meknes und Umgebung

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DIE STADT
Meknes teilt sich in drei Bereiche auf: die Medina, die Ville Impériale und die Neustadt. In der Medina befinden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen das Bab el Mansour, die Medersa Bou Inania, der Dar Jamai und die Souks. Die Ville Impériale ist die ehemalige Residenz von Moulay Ismail.
Sehenswert sind das frühere Kara- Gefängnis und das Mausoleum Moulay Ismail. In unmittelbarer Umgebung befinden sich der Heri es- Souani, ein ehemaliger Getreide-
speicher sowie das benachbarte Wasserbecken „Agdal”. In der Neustadt finden sich zahlreiche Hotels, Restaurants, Cafés, Bars und Geschäfte.

 

BAB EL MANSOUR
Imposantes und größtes Stadttor Marokkos. Es wurde von einem christlichen Architekten erbaut und 1732 fertiggestellt.

 

MEDERSA BOU INANIA
Hauptattraktion der Medina: Die kunstvoll verzierte Medersa wurde Mitte des 14. Jahrhunderts während der Herrschaft der Meriniden-Sultane erbaut. Pflichtprogramm!

 

DAR JAMAI
Ehemaliger Wesirspalast aus dem 19. Jahrhundert; heute ein sehenswertes Museum für marokkanische Volkskunst.

SOUKS
Die Souks von Meknes zählen zu den größten des Landes. Eine gute Alternative zu den Souks von Marrakesch und Fes.

 

AGDAL BASSIN
Direkt an die Getreidespeicher angrenzend, befindet sich ein vier Hektar großes Wasserbecken. Früher diente es der Bewässerung, heute ist das Terrain ein beliebtes Ausflugsziel.

 

MAUSOLEUM MOULAY ISMAIL
Die Grabmoschee von Moulay Ismail zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Stadt. Besichtigung für Touristen möglich.

 

HERI ES-SOUANI
Der riesige Vorrats- und Getreide-
speicher am Rande der Ville Impériale ist ein spektakuläres Beispiel für den extrem ehrgeizigen Bauwillen Moulay Ismails.

HERI EL MANSOUR
Die Ruinen sind Teil einer enormen Anlage, die sich in der Ville Impériale befindet. Einst wurden hier 12.000 Pferde untergebracht und versorgt. Die Pferdeställe stehen in der Nähe der gigantischen Getreidespeicher (Heri el Souani). Dort wurde das Getreide für die Pferde gelagert und die Vorräte für 150.000 Soldaten. So sollte die Stadt einer Belagerung von 20 Jahren standhalten.

 

KARA-GEFÄNGNIS
In düsteren Zeiten wurden hier Gefangene eingekerkert. Heute kann man das unterirdische Verlies besichtigen. Ein Rundgang durch die Gewölbekeller vermittelt einen Eindruck vom damaligen Elend der Geknechteten. Viele konnten aber durch Lösegeld wieder freigekauft werden und das Gefängnis verlassen. Heute ist es umgekehrt: Man muss (Eintritt) zahlen, um rein- zukommen.

 

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