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DIE SAADIER-GRÄBER IN MARRAKESCH
DIE UNGLAUBLICHE ENTDECKUNG

Marrakesch ist seit jeher eine wichtige Handelsstadt. In ihrer Geschichte war sie stets abhängig von Lieferungen aus Nord und Süd. Riesige Karawanen brachen früher vom Rande der Sahara im sagenumwobenen Timbuktu auf und versorgten die „Rote Stadt” mit Sklaven, Gold und Waren aus den verschiedensten Regionen Afrikas. Im 16. Jahrhundert galt der Transsaharahandel zwischen dem heutigen Mali und Marokko als einer der wichtigsten Transportverbindungen weltweit und die Karawanenstadt Timbuktu als sagenhaft reich. Der Saadier-Sultan von Marrakesch Ahmed el Mansour wollte davon nicht länger abhängig sein. Er unternahm einen Kriegs- und Beutezug nach Timbuktu und kehrte – so die Legende – mit unermesslichen Schätzen zurück. Es war der Beginn der großen Blütezeit von Marrakesch. Unzählige Prachtbauten entstanden. Doch wie so oft in der Geschichte Marokkos ließen die Herrscher der nachfolgenden Dynastien alle zuvor errichteten Baudenkmäler zerstören. Genau das geschah unter Moulay Ismail, Sultan der Alaouiten-Dynastie. Der neue mächtige Mann Marokkos, der nicht von Marrakesch aus regieren wollte, sondern mitten in der Provinz, in Meknes, eine Hauptstadt errichten ließ, hatte die Zerstörung aller verbliebenen Spuren der Saadier angeordnet. Aus der Regentschaft der Saadier sind deshalb heute praktisch keine Hinterlassenschaften geblieben – bis auf eine: die Nekropole der Saadier. Jahrhundertelang war sie wie vom Erdboden verschluckt, sie galt als „verschwunden” – bis der Zufall es anders wollte.

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Text und Fotos: Sven Kämmerer 

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Die Saadier, deren architektonisches Vermächtnis nahezu vollständig vernichtet wurde, sind arabischen Ursprungs. Sie stammen aus dem Draa-Tal, wo sie im 14. Jahrhundert eingewandert waren. Dort ließen sie sich zwischen Zagora und Tamagroute nieder, bauten im Laufe der Jahrzehnte ihre Macht aus und eroberten 1521 Marrakesch. Unter Ahmed el Mansour (1578–1603) entfalteten die Saadier ihre größte wirtschaftliche und politische Macht. Nach der Einnahme Timbuktus kontrollierten die Saadier große Teile der Sahara und des heutigen Sahels, was ihnen großen Reichtum verschaffte. Wirtschaftlich agierten die Saadier auch nicht ungeschickt: Im Süden des Landes wurden Zuckerrohrplantagen angelegt, der Zucker wurde einträglich nach England verkauft. Zu italienischen Stadtstaaten unterhielten die Saadier lukrative Handelsbeziehungen. So standen den Saadiern enorme Mittel zur Finanzierung prächtiger Bauten, wie des El Badi-Palastes und einer Nekropole, zur Verfügung. Besonders der üppige Ausbau des Mausoleums in der Nekropole muss Unsummen verschlungen haben. Als Ort für die letzte Ruhestätte ihrer Sultane wurde der Garten neben der Kasbah-Moschee ausgewählt. In Marrakesch war es üblich, dass Emire und Sultane im Süden der Medina, im Garten der Kasbah-Moschee, beigesetzt wurden. Die Saadier-Dynastie, die in Marrakesch zwischen 1524 und 1659 regierte, setzte diese Tradition fort. Heute befinden sich dort fast 70 Gräber der Saadier-Dynastie. Die schönen Königsgräber sind nicht nur die letzten erhaltenen Überreste dieser Dynastie, vielmehr sind sie Zeugnisse einer raffinierten maurischen Architektur, die für das 16. und 17. Jahrhundert charakteristisch ist.

Der Zutritt zu den Gräbern erfolgt durch eine sehr schmale Passage. Über den schönen Garten gelangt man zu drei Sälen, die unmittelbar jegliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen: reich verzierte Kreuzgewölbe, edle Säulen aus Carrara-Marmor sowie Wände und Nischen, die mit Stuckarbeiten, unzähligen Kacheln, Mosaiken und Kaligrafien verziert und von Saaldecken aus schönem Zedernholz überspannt sind. In den drei Mausoleen, die sich auf den Saal des Mhirab, den Saal der 12 Säulen und den Saal der drei Nischen verteilen, fanden sieben Sultane und 62 enge Verwandte ihre letzte Ruhestätte. Im Garten befinden sich noch über 100 Gräber von Dienern und verdienstvollen Soldaten. Ahmed el Mansour wurde im Saal der 12 Säulen beigesetzt. Es ist das eindrucksvollste aller Mausoleen, aber auch die anderen Säle sind absolut sehenswert. Einige Gräber sind mit poetischen Versen versehen. Besonders schön ist jener, der Ahmeds Mutter, der Prinzessin Zorha gilt: „Hier ruht die adelige Frau – Neumond und Vorbild an Tugenden”. Allein diese Zeilen sind einen Besuch wert.

Moulay Ismail, der jegliche Spuren der Macht der Saadier – übrigens auch den prächtigen El Badi-Palast – verschwinden ließ, plagten dann doch Selbstzweifel. Er wagte es nicht, das Sakrileg zu begehen, die Nekropole der Saadier zu zerstören. Stattdessen befahl er, das Grabmal unsichtbar zu machen und hinter hohen Schutzwällen einzuschließen. Den Eingang ließ er zumauern. So geriet das Grabmal für lange Zeit in Vergessenheit. Das letzte architektonische Vermächtnis der Saadier-Dynastie schien für immer verloren, bis 1917 in der Medina archäologische Ausgrabungen durchgeführt wurden. Es war purer Zufall, dass das eingemauerte Portal der Nekropole von den Bauarbeitern entdeckt wurde. Danach wurde es restauriert und steht Besuchern aus aller Welt zur Besichtigung offen.

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 Die Saadier-Gräber in Marrakesch
Öffnungszeiten: täglich 09–18 Uhr Eintritt: 10 DH / 1 EUR
Tombeaux Saadiens, Rue de La Kasbah, Marrakech
contact@tombeaux-saadiens.comwww.tombeaux-saadiens.com

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