Aufbruch I Kultur

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EIN GESPRÄCH MIT DEM AUTOR JARED SEHOULI

Tangerine Dreams

Wer glaubt, mit der Literatur der Beatnik-Autoren Paul Bowles, Williams S. Borrows und Truman Capote alles über Tanger zu wissen, hat noch nicht das neue Buch „Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo“ von Jalid Sehouli gelesen. Auf spannende und unterhalsame Weise nimmt er den Leser mit auf eine wunderbare Selbstfindungstour.

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Interview: Sven Kämmerer 

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Zum Autor
Jalid Sehouli, geboren 1968 in Berlin, ist das Kind marokkanischer Eltern. Er studierte Humanmedizin an der Freien Universität und ist heute Ordinarius an der Charité. Sehouli gehört zu den führenden Krebsspezialisten der Welt. 2012 erschien sein literarisches Debut „Marrakesch”.

Ihr Buch „Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo“ ist sehr biografisch, liest sich wegen der inter-essanten Reflektionen wie eine Art Ratgeber für Sinn-Suchende. Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?
Als ich mein Buch „Marrakesch” fertig geschrieben hatte, überkam mich ein Gefühl der Traurigkeit. Daher suchte ich nach einem neuen Thema für ein neues Buch und entschloss mich, über die Stadt Tanger, die Stadt meiner Eltern, und die Sommerferien in meiner Kindheit zu schreiben. Ich wollte das Buch auch zum Anlass nehmen, mich über diese Stadt zu erkundigen, da ich als Kind nur wusste, dass sie wunderbare Strände hat und aufregende Straßen zum Schlendern bietet. Ich wusste aber nichts über ihre Geschichte und ihre Kultur, auch nichts von interessanten Menschen, die in dieser Stadt gelebt haben.

Die literarische Reise nach Tanger führt Sie immer wieder zurück nach Berlin, zu Ihrer Kindheit und zu Ihrem beruflichen Alltag als Arzt. Ist dieses Buch auch eine persönliche Suche nach der eigenen Identität?
Es ist weniger eine Suche nach meiner Identität, mehr ein Versuch, Dinge, die scheinbar vergessen waren, wieder aufzudecken und bewusst zu machen, ein Versuch der Reflektion meiner Erlebnisse.

Ihr neues Buch über Tanger ist kein klassischer Reisebericht, obwohl es, ähnlich wie Canettis „Die Stimmen von Marrakesch“, die Atmosphäre einer Stadt wunderbar einfängt. Vielmehr erinnert es wegen der philosophischen Gedanken und der besonderen Melancholie an den berühmten Essay „Tristes Tropiques“ des Ethnologen Claude Levi-Strauss. Warum haben Sie sich für diesen Erzählstil entschieden?
Ein Buch sollte ein Dialog mit seinen Lesern sein, so versuche ich in meinen Büchern ins Gespräch zu kommen und kleine unbeachtete Details in einem Gesamtkontext zu sehen. Trauer und Freude sind wunderbare menschliche Eigenschaften, die aber Raum benötigen. Geschichtenerzähler geben diesen notwendigen Raum.

Immer wieder richten Sie Ihren Blick auf Orte, die man schlichtweg übersehen hat. Müssen wir unsere Art des Reisens neu erfinden?
Während meines Schreibens erinnerte ich mich an viele scheinbar unbewusst beobachtete Details von Tanger und anderen Orten, die sich aber in mein Herz einbrannten. Es sind die kleinen Details, die nur dem Suchenden mit seiner Offenheit sich offenbaren, die den Unterschied ausmachen, den Ort, den Menschen, zu etwas ganz Besonderem und Unvergleichbarem machen. Wenn man „Fast-Track-Reisen“ plant, dann kann man eben nur an der Oberfläche schwimmen, wird nie die Tiefe des Ortes kennenlernen. Will man wirklich eine Beziehung zu einem Ort aufbauen, muss man der Stadt seine Wünsche mitteilen und sich dem Ort und seinem Rhythmus hergeben.

Tanger steht bei vielen Reisenden oft im Schatten des hippen Marrakesch, des geheimnisvollen Fes und des abenteuerlichen Südens. Zu Unrecht?
Jede Stadt hat ihre Faszination, Tanger wurde lange vergessen. Aber um Tanger zu erfahren, benötigt man einen Türöffner, vielmehr als für Marrakesch oder Fes.

Was dürfen wir denn als Nächstes von Ihnen erwarten? Schreiben Sie bald ein Buch über den Wedding?
Der Wedding ist immer dabei. Aber mein nächstes Buch handelt von der Kunst der Übermittlung schlechter Nachrichten und von der Wiederentdeckung der guten Botschaft in der Medizin.

Vielen Dank für das Gespräch.


rachids_traum01

Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo, 272 Seiten, 14,0 x 22,0 cm, geb./SU, Februar 2016 Buch 22,– € / E-Book 6,99 €, ISBN 978-3-86124-700-5

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