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RABAT
ZEITREISE DURCH DIE KÖNIGSSTADT

Die Königsstadt Rabat ist berühmt für ihre historischen Hinterlassenschaften „Kasbah des Oudayas” und „Chellah”. Nicht weniger aufregend ist eine Zeitreise in die jüngere Geschichte der Hauptstadt. Im Quartier de L’ Océan und im Viertel Bab Al Bahr zeigt sich Rabat von seiner modernen und besonders charmanten Seite. Rabat ist sicherlich nicht die bekannteste, aber die vielseitigste aller Königsstädte.

 

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Text: Sven Kämmerer 

KASBAH DES OUDAYAS

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Die rebellisch anmutende Festung mit den zahlreichen verwinkelten Gassen und kleinen Wegen liegt auf einer Klippe an der Mündung des Bou Regreg und erstreckt sich über eine Fläche von vier Hektar. Von der Terrasse des Galeriehauses des Malers Miloudi Nouga in der Rue Jemaa hat man einen schönen Überblick auf das Straßenlabyrinth. Man entdeckt die eng aneinandergereihten blauen und weißen Häuser. Sie sind von einer alten Mauer aus dem 17. Jahrhundert umschlossen, in der Mitte steht ein Minarett. Die bunten Straßen verleihen der Kasbah eine wunderschöne, mediterrane Milde. Im Café Maure kann man herrlich relaxen. Am besten liest man ein Buch, trinkt dabei einen Minztee und lässt sich die Cornes de Gazelles, traditionell gebackene Kekse mit Honig und Mandeln, schmecken. Auch die Lage des Cafés ist idyllisch: Es liegt direkt hinter dem andalusischen Garten, der ebenfalls eine Oase der Ruhe ist. In der Kasbah, in der heute immer noch etwa 3 000 Menschen leben, gilt ein Fahrverbot für Autos, und auch sonst sind die Bewohner zu beneiden. Der Ausblick von der Kasbah auf den Ozean ist atemberaubend. Hier führt man noch ein richtiges Dorfleben.

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CHELLAH

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Die Chellah liegt auf einem sanften Hügel am Rande des Stadtzentrums. Die Chellah wurde im 13. Jahrhundert von den Meriniden in eine Nekropole umgewandelt. Sie ist auf den Überresten der Römersiedlung Sala Colonia gebaut. Bei Ausgrabungen im 20. Jahrhundert konnten hier die Ruinen eines Brunnens, eines Triumphbogens, einer christlichen Basilika sowie Säulen und Steine mit lateinischen Inschriften freigelegt werden. Im muslimischen Teil befindet sich auf dem Gelände der Nekropole das Grabmal des Sultans Abou el Hassan und seiner Frau „Lady Chellah”. Es gilt als sicher, dass der aktuelle Ort der Nekropole in der Chellah bereits von Phöniziern und Karthagern bewohnt war. Die Mischung aus Spuren arabischer Vergangenheit (Meriniden-Nekropole) und romanischen Überresten verleiht dem Ort einen besonderen Charme. Die ruhig gelegene Chellah besitzt auch einen schön angelegten Garten, der sich abseits der großen Straßen auch als idealer Ort zum Spazierengehen anbietet. Besonders bemerkenswert ist auch die Ansiedlung der vielen Weißstörche, die in den Ruinen und auf den Resten des Minaretts der Moschee ihre Nester gebaut haben.

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BOULEVARD MOHAMMED V

Jahrzehntelang hatte man sich mit einem Plan beschäftigt, der das Meer seinen Anwohnern zurückgeben sollte.

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Federleicht schwebt die neue Straßenbahn über die nagelneue Brücke Hassan II. Sie überspannt den Fluss Bou Regreg, der die Ufer der Schwester-städte Rabat und Salé trennt. Wer hinunterschaut, entdeckt Dutzende neue, kleine dreistöckige Gebäude, die inmitten einer einst versandeten Flussmündung emporragen. Hier befindet sich das neu gebaute, moderne und elegante Viertel Bab Al Bahr, zweifellos eine architektonische Bereicherung für die Hauptstadt. Für den Besucher besonders interessant ist vor allem, dass dieses Viertel mitten in die Symbole des Königreiches hineingebaut wurde: Würde man von dort aus eine Panoramaaufnahme machen, so dürfte sich dem Betrachter von rechts nach links ein ziemlich majestätisches Ensemble bieten: die Kasbah der Ou-dayas – eine eindrucksvolle Festung und die Wiege von Rabat. Dann die andalusische Mauer der Medina. Links davon die Rudimente des Hassan-Turms aus dem 13. Jahrhundert. Daneben das prächtige Mausoleum aus wei-ßem Marmor von König Mohammed V., und schließlich die Chellah, eine von Meriniden-Sultanen auf den Ruinen einer römischen Stadt gebauten Nekropole, die sich hinter der Biegung des Flusses versteckt. Dieses Bild hätte man vor gar nicht allzu langer Zeit so nicht aufnehmen können.

Die beiden Schwesterstädte Rabat und Salé hatten sich nämlich längst von ihrer jeweiligen Küste entfernt. Die Zeit, als die Korsaren mit ihren Schiffen von den Häfen aus Rabat und Salé bis zu den Küsten von Cornwall segelten und die Flotten der katholischen Könige angriffen, war ohnehin lange vorbei. Meer und Stadt haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer weiter auseinandergelebt. Die endgültige Trennung wurde dann in den 1970er Jahren besiegelt. In dieser Zeit verlor der Hafen von Rabat gegenüber seinem südlichen Konkurrenten in Casablanca endgültig an Bedeutung. Mehr noch: Er hatte schlichtweg keine Funktion mehr, versandete zunehmend und wurde letztendlich überflüssig und zum Sinnbild für das Dahin-dümpeln einer architektonisch eher langweiligen Hauptstadt. Das sollte sich ändern.

Jahrzehntelang hatte man sich mit einem Plan beschäftigt, der das Meer seinen Anwohnern zurückgeben sollte. König Mohammed VI. rief schließlich 2003 das Ausbaupro-jekt der Mündungsufer des Bou Regreg ins Leben. Sowohl die Stadt als auch das Land nahmen dafür richtig Geld in die Hand: Drei Milliarden Dirham (ca. 300 Millionen Euro) wurden für die Entwässerung des Flusses, den Bau von zwei Yacht- und Fischerhäfen, einer Brücke, einer Straßenbahn und von einem Tunnel mobilisiert. Die Straßenbahn allein hatte umgerechnet etwa 50 Millionen Euro gekostet, die neue Brücke Hassan II 120 Millionen Euro. Um den Rest zu finanzieren, setzte man auf den lukrativen Verkauf der neuen Immobilien im Viertel Bab Al Bahr. Für ihre Konzeption zeichneten sich zwei marokkanische Architekturbüros verantwortlich, aber auch international renommierte Architekten wurden mit eingebunden, wie z.B. Norman Foster, in Deutschland bestens bekannt als jener Architekt, der den Reichstag in Berlin neu gestaltet und umgebaut hat.

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Von Anfang an hat man bei diesem Großprojekt die Bevölkerung buchstäblich mit ins Boot geholt. So wurden näm-lich die 77 „barcassiers“ – so nennt man in Rabat die Be-sitzer kleiner Boote –, die vor dem Bau der Hassan II-Brücke für die Überquerung des Flusses von Ufer zu Ufer dienten, während der zweijährigen Bauarbeiten angemessen entschädigt. Mittlerweile sind sie wieder zurück. Ihre kleinen Boote, die im Zuge der städtischen Umbaumaßnahmen auch frische Anstriche bekommen haben, dienen heute als charmante Ausflugsschiffe auf dem Fluss. An den Ufern wurden die Felsen durch Kais ersetzt, kleine Cafés haben dort eröffnet, und an jedem schönen Abend gehen hier nun die Bewohner der benachbarten Medina spazieren. Im Bab Al Bahr-Viertel, wo sich die Hauptstadt täglich neu erfindet, ist die Metamorphose noch nicht abgeschlossen.

Nicht minder interessant ist der Besuch des „Quartier de L’ Océan“, eines Stadtviertels, das sich zwischen Strandpro-menade und Medina befindet. Dort, auf der anderen Seite der Mauer, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wie früher sitzen hier Familien mit ihren Sonnenschirmen am Strand. Die alten Gebäude aus den Vierzigerjahren sind umsäumt von kleinen Feigen- und Granatapfelbäumen. In den 1960er-Jahren zogen viele reiche, alt eingesessene Familien aus anderen Vierteln Rabats hierher, nicht zuletzt in der Hoffnung, hier eine preiswerte Nannie für die Kin-der zu finden, in den kleinen Restaurants in der Rue Napoli und Rue Addis Abeba leckere Tapas zu essen oder in der Rue London auf dem kleinen Gemüsemarkt einzukaufen. Heute ist dieser Teil von Rabat längst ein Szeneviertel, vergleichbar mit den in Paris als „Bobo“ (für Bourgeois Bohème) bezeichneten Quartiers oder dem Prenzlauer Berg in Berlin. Egal welche Prioritäten man bei einem Besuch von Rabat macht: Ob in der Kasbah, der Chellah im Bab Al Bahr oder im Quartier de L’ Océan – in der Hauptstadt können Besucher überall eine spannende Zeitreise erleben.


Infos: Rabat und Umgebung

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HASSANTURM
RABAT
Gegenüber dem Mausoleum befindet sich das Wahrzeichen Rabats: der Hassan-Turm. Der reich verzierte Turm sollte die größte Moschee weltweit werden. Jedoch konnte das 44 Meter hohe Minarett baulich nie vollendet werden. Große Teile der Moschee wurden bei einem Erdbeben 1755 zerstört. Die Überreste des Turms und der Säulen sind dennoch äußerst sehenswert.


MAUSOLEUM MOHAMMED V

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Der Grabsaal des Mausoleums ist prunkvoll ausgestattet: Verzierungen aus Mahagoni-Holz und Blattgold, handverlegte Mosaike, Fußboden aus blauem Granit. In der Mitte der marmorne Sarkophag. Das Mausoleum wird rund um die Uhr von Soldaten in altmaghrebinischen Uniformen bewacht. Der Eintritt ist frei.


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