STRANDBAD

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DIE FESTUNGSSPRINGER

VON EL JADIDA

Wenn Mitte März der Frühling dem Frühsommer weicht, beginnt in El Jadida die Badesaison. Dann stürzen sich die Jugendlichen von den hohen Festungsmauern der Cité Portugaise ins Meer. Ganz so wagemutig müssen die Urlauber nicht sein. Nördlich und südlich von El Jadida offenbaren sich den Badegästen kilometerlange feine Sandstrände. Wer diese Region unweit von Casablanca besucht, wird sich verwundert fragen, warum der mittlere Teil der marokkanischen Atlantikküste bei vielen Touristen noch weitgehend unbekannt ist. Ein perfekter Ortstermin für Klaus Kopelkert und Sven Kämmerer, die dieser Frage auf den Grund gegangen sind.

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Text: Klaus Kopelkert / Sven Kämmerer 

Die Besucher stehen staunend an der Festungsmauer. Immer wieder blicken sie abwechselnd nach unten ins Meer und zu dem marokkanischen Jungen, der auf der hohen Mauer hin und her läuft. „Das dürften gute 15 Meter sein“, meint einer der Touristen zu seiner Frau. „Er wird doch jetzt nicht da runterspringen?“ Die eindrucksvolle Festung aus dem frühen 16. Jahrhundert lockt jedes Jahr Besucher aus aller Welt an. Die halbstarken Jugendlichen, die sich hier bei schönem Wetter in den Atlantik stürzen, gehören gewissermaßen zum lebenden Inventar der Cité Portugaise, deren imposante Mauern exakt 14 Meter aus dem Meer emporragen. Sie haben die Jahrhunderte nahezu unversehrt überstanden.


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Die Zisterne befindet sich in einem unterirdisch gelegenen quadratischen Raum. Er hat eine Seitenlänge von 34 Metern, die Gewölbe ruhen auf 25 Säulen. Die Zisterne, die erst im 20. Jahrhundert entdeckt wurde, hatte die Festungsstadt, die immer wieder langen Belagerungen standhalten musste, mit Wasser versorgt. Ein drei mal drei Meter großer Lichtschacht lässt im Halbdunkel einmalige Lichtspiele entstehen. Der Architekt dieser Zisterne hat sich bei der Gestaltung sowohl von Moscheen als auch von Kirchen inspirieren lassen. Eher ungewollt hat er hier ein eindrucksvolles Kunstwerk geschaffen

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„Mit acht Jahren geht man in Begleitung des älteren Bruders zum Meer. So lernen die Kinder schwimmen. Keiner von denen hat je schwimmen in einer Schule gelernt. Auch die Jugendlichen, die im Sommer von der Festungsmauer springen, haben sich das von den Größeren abgeschaut. Das hat Tradition“, sagt Ahmed Zouhir. Der Leuchtturm Sidi Bouafi (rechts) wurde um 1914 von deutschen Militärgefangenen errichtet

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Die Verteidigungsanlage mit ihren fünf Türmen, von denen drei in Richtung Küste, die anderen zum Meer ausgerichtet sind, hat die Form eines Kleeblattes und eine wahrhaft turbulente Vergangenheit hinter sich. Darauf lassen nicht zuletzt die unzähligen Schießscharten schließen. Die Festung war nämlich schon vor Ankunft der Urlauber bei Franzosen, Maltesern, Sarden, Spaniern, Deutschen, Engländern, Italienern und Portugiesen äußerst beliebt, wenngleich die „Besucher“ aus vergangenen Tagen gänzlich andere Interessen verfolgten. Für phönizische, karthagische und römische Seefahrer war die sichere Reede wegen ihrer strategischen Lage am Atlantik bereits in vorchristlicher Zeit ein Lieblingsort für einen Zwischenhalt. Als die Portugiesen hier vor über 500 Jahren eine Festungsstadt errichteten, nannten sie sie „Mazagao“ (heute Mazagan). Die Küstenstadt entwickelte sich schnell zur wichtigsten portugiesischen Handelsniederlassung in Marokko.

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Über Mazagan wurde jahrhundertelang das internationale Seegeschäft mit Indien abgewickelt. Als sich die Portugiesen aus Marokko zurückzogen, sprengten sie weite Teile der Hafenstadt. Eben an diesen Stellen wurde später El Jadida („Die Neue“) errichtet. Andere Stadtteile von Mazagan haben glücklicherweise die Zeit unbeschadet überstanden oder wurden wieder aufgebaut. Heute sind sie besonders sehenswert, wie die Cité Portugaise, die 2004 auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes gesetzt wurde. „Wer den einzigartigen Hauch der Ge-schichte dieser Stadt spüren möchte“, erzählt Ahmed Zouhir, der in El Jadida geboren ist und heute als Tourismusmanager in Düsseldorf lebt, „sollte die Cité Portugaise besuchen.“ Hauptattraktion ist sicherlich die mysteriöse und faszinie-rende Zisterne mit einem geradezu kunstvoll gearbeiteten Kreuzgewölbe. Sie diente als Kulisse großer Filme (z.B. „Othello“). Trotz der großen Berühmtheit dieser Zisterne und der Touristen, die aus aller Welt hier herkommen, um sie zu sehen, ist die Cité Portugaise kein Freilichtmuseum und sehr authentisch geblieben. „In der Cité Portugaise“, erklärt Ahmed Zouhir, „leben immer noch viele ma-rokkanische Familien. Die Altstadt bietet bis heute eine hohe Lebensqualität. Im Sommer ist die Stadt für die Kinder ganz toll: Das Wasser ist in unmittelbarer Nähe, die Kinder können sich erfrischen, schwimmen gehen oder ins Wasser springen. Die haben dann richtig viel Spaß. Ich kenne das nur allzu gut aus meiner eigenen Kindheit.“

Das Leben in der Stadt wirkt überall entspannt: ob auf dem Gewürzmarkt oder in der Kissaria mit ihren winzigen Geschäften, Boutiquen und den vielen Djellabah-Schneidern, deren Schicksal es zu sein scheint, für immer auf abgewetzten Matten zu hocken. Außerhalb der Cité Portugaise hat, wie überall auf der Welt, die Moderne Einzug gehalten. Die Stadt mit der glorreichen Vergangenheit zählte vor 400 Jahren nicht mehr als 4 000 Einwohner. Heute sind es etwa 200 000. El Jadida ist längst eine regionale Metropole und wächst mit rasanter Geschwindigkeit. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit erinnert sich eine Achtzigjährige mit Wehmut an jene Tage, als die Straßen nach Sonnenuntergang noch menschenleer waren.

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Von El Jadida ist man in 45 Minuten in Casablanca. Dort gibt es den größten Flughafen des Landes. Das Mazagan Beach & Golf Resort ist mit seinen 500 Betten eines der größten Hotels in Marokko und für deutsche Touristen relativ preiswert. Es ist auch sehr beliebt bei Familien mit Kindern. Das Angebot an Aktivitäten ist sehr groß. Außerdem kann man von dort aus einen Tagesausflug nach Casablanca machen. Nähere Ausflugsziele vom Mazagan Beach & Golf Resort sind El Jadida und Azzemour

 

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Außerhalb der Stadtmauer ist der belebte Platz Khattabi mit seinen jahrhundertealten Palmen und den schönen Häusern im iberischen Stil einen Abstecher wert. Im Norden von El Jadida befindet sich am Rande eines wunderbaren Eukalyptushaines das 2009 eröffnete Luxus Resort „Mazagan Beach & Golf Resort“. Es ist berühmt für seinen exzellenten Golf-Parcours und seinen sieben Kilometer langen privaten Sandstrand

 

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Aber die Zeit der beschaulichen Stadt für Rentner, die sich nach Ruhe sehnen, ist endgültig vorüber. Dafür hat die Stadt auch zu ehrgeizige Pläne. El Jadida schickt sich an, nach Casablanca zum zweitwichtigsten Wirtschaftszentrum Marokkos zu avancieren. Ganz unbegründet sind diese Erwartungen nicht. Wegen äußerst ver-lockender Zuschüsse siedeln sich immer mehr multinationale Unternehmen in der Region an. „Die Region Doukkala“, ergänzt Ahmed Zouhir, „hat neben der Pro-vinz Souss-Massa die ertragreichste Landwirtschaft Marokkos.“ Das war bereits den Portugiesen nur allzu gut bekannt, als sie 1502 ihre Zelte hier aufschlugen. „Obst und Gemüse“, sagt er, „gibt es im Überfluss und ist außerdem sehr günstig. Dafür ist die Region im ganzen Land bekannt, genauso wie die Großzügigkeit der Doukkalas. Wenn man bei einem Doukkala zum Essen eingeladen wird, geht man garantiert nicht hungrig nach Hause.“

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Nur wenige Kilometer von El Jadida entfernt befindet sich die kleine Stadt Azemmour (Berberisch „Oliven“), die ebenfalls von einer hohen Befestigungsmauer umgeben ist. Die charmante portugiesische Altstadt liegt direkt an der Mündung von Marokkos größtem Fluss Oum er-Rbia. Interessant sind die kleinen Werkstätten, in denen noch in Handarbeit gefertigt wird 

 

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Wegen der unzähligen Graffitis erinnert Azzemour an die Künstlerstadt Asilah. Wie Asilah zieht auch Azzemour viele internationale Künstler an. Seit 2010 findet hier im Mai das Festival Remp’Arts Azemmour statt. Ein beliebtes Motiv der Graffitikünstler ist der in Azzemour 1500 geborene Maure Estevanico. Er wurde von den Spaniern gefangen genommen und versklavt. Im Laufe seines Lebens verschlug es ihn nach Amerika, das er als erster Afrikaner überhaupt durchquert hat. 1539 wurde er in Amerika getötet

 


Info: El Jadida und Umgebung

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Cité portugaise
El Jadida
Die Cité Portugaise, die historische Altstadt von El Jadida, ist von imposanten Festungsmauern umgeben, auf denen man die ganze Stadt umgehen kann. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf die Altstadt. Nachdem die abziehenden Portugiesen große Teile der Stadt im Jahr 1769 zerstört hatten, konnte sie 1821 wieder aufgebaut werden. Die Cité Portugaise gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

Shoppen & Kultur
CASABLANCA
Die palmengesäumte Küstenstraße ist das beliebteste Ausflugsziel in Casablanca. Das Bade- und Vergnügungszentrum mit Restaurants, Diskotheken und Luxushotels ist jeden Abend sehr belebt. Hier herrscht stets Volksfeststimmung. Als besondere Attraktionen sind die „Erlebnisbäder“ zu nennen, die ins Meer hineingebaut wurden. Der Boulevard Houphouet Boigny mit seinen vielen Souvenir-Geschäften führt zum Centre 2000, einem der größten modernen Einkaufszentren Marokkos. Hier findet man zahlreiche Boutiquen, Shops und Restaurants.

„Nouvelle Medina“
CASABLANCA
Die 1923 erbaute „Nouvelle Medina“ verbindet traditionelle arabische Baukunst mit moderner Architektur. Hier befindet sich der Königspalast und die Mahkama, ein sehenswertes Gerichtsgebäude im spanisch-maurischen Stil. In den malerischen Gassen findet man Märkte und Läden sowie die berühmte Konditorei „Chez Bennis“.

Moschee Hassan II
CASABLANCA
Die Moschee Hassan II, das höchste sakrale Bauwerk der Welt, wurde ins Meer hineingebaut. Das Minarett ist 200 Meter hoch. Beim Bau der Moschee wurden nur edelste Materialien verwendet. Zum Komplex gehören neben Hammams und Schwimmbädern auch ein Museum zur marokkanischen Geschichte sowie eine islamische Schule, Konferenzräume und eine Bibliothek, die via Satellit mit den größten Bibliotheken der Welt verbunden ist. Die Moschee kann täglich außer freitags, dem muslimischen Ruhetag, im Rahmen von Führungen besichtigt werden.


Rückblick Strandbad


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