Aufbruch I Wissenschaft

Aufbruch I Wissenschaft

rachids_traum00

Ein Gespräch mit Dirk Reiser, Experte für nachhaltigen Tourismus

Uni goes Marokko

Marokko steht bei vielen Urlaubern hoch im Kurs. Die Besucher schätzen die Toleranz der Marokkaner, die Sicherheit des Staates und die gesamte Vielfalt des Landes: touristisch, landschaftlich und kulturell. Was nur die wenigsten wissen: Marokko ist auch ein Musterland für nachhaltigen Tourismus. Dirk Reiser erklärt uns warum.

trennlinie

Interview: Sven Kämmerer 

Sie sind Dozent für nachhaltiges Tourismusmanage-ment. Was kann man sich darunter vorstellen?
Nachhaltiger Tourismus möchte zum einen das Leben der lokalen Bevölkerung und deren Umwelt schützen und zum anderen die touristische Wirtschaft entwickeln. Im Besonderen bedeutet dies die Sicherung der ökonomischen und sozialen Teilhabe der Bereisten an den Entscheidungen zur Tourismusentwicklung in ihrer Region sowie der Schutz der lokalen, aber auch der globalen Umwelt durch den Tourismus. Nachhaltiger Tourismus zielt daher immer auf eine gleichmäßige Verteilung der Vorteile und eine Minimierung der Nachteile, die der Tourismus bringt. Der Schutz der Natur ist dabei von großer Bedeutung, da diese die Grundlage für den Tourismus und das Leben darstellt. In diesem Sinne werden unsere Studenten in Bereichen wie Umweltmanagement, Ökonomie und Soziologie un-terrichtet, um später diese Vorstellung des Tourismus umsetzen zu können.

Im Rahmen des Kurses Ökonomie, Ökologie und Ethik unternahmen Sie mit Studierenden des Studiengangs Nachhaltiger Tourismus eine Exkursion mit 24 Leuten. Warum haben Sie sich für Marokko entschieden?
Die Gründe für die Reisen nach Marokko sind vielfältig. Erstens hat Marokko eine Strategie, „Tourismus 2020“, die die Verwirklichung eines nachhaltigen Tourismus als einen Grundstein des Tourismus festlegt. Insbesondere für den internationalen Tourismus wird dies als ein Wettbewerbsvorteil für Marokko gesehen. Eine Beurteilung der Entwicklung dieses Vorhabens war daher ein Ziel dieser Exkursion. Zweitens gilt Marokko als eines der wichtigsten mehrheitlich muslimischen Ländern für europäische, inklusive deutsche Touristen. Es vermittelt Reisenden ein besseres Wissen und ein positives Image der Muslime und trägt daher zu einem besseren Verständnis bei. Dies war ein weiteres wichtiges Ziel. Drittens ist das Preis-Leistungsniveau der Reisen nach Marokko derart gut, dass es eine Studienreise möglich macht. Sicherlich spielte auch meine Reiseerfahrung in Marokko und meine persönliche Verbindung mit Marokko eine große Rolle.


rachids_traum02


rachids_traum02


rachids_traum02

Was haben die Studierenden dort genau gemacht, gelernt und zu welchen Erkenntnissen sind sie gelangt?
Die Studierenden haben auf der Rundreise Präsentationen zu verschiedenen Themen erarbeitet, die mit den spezifischen lokalen Attraktionen und Marokko allgemein verbunden waren. Im Wüstencamp hatte ein Team über das Für und Wider des Wüstentourismus referiert, in Aït Benhaddou eine andere Gruppe über Weltkulturerbe und Klimawandel. Auf diese Weise lernten alle Studierenden sehr viel über Marokko. Des Weiteren besuchten wir spezifisch nachhaltig operierende Unternehmen, wie die Sawadi Ecolodge, die Auberge Tiguami Khadija in Aït Benhaddou und die Ecolodge Kasbah du Toubkal. Dort lernten die Studierenden, wie gut die Nachhaltigkeit im Unterkunftsbereich umgesetzt wird. Auch in andere Bereiche des Tourismus konnten die Studierenden einen guten Einblick gewinnen, so beispielsweise in das Community Projekt Couleurs Berbères oder das Management der Weltkulturerbestätten Medina von Marrakesch oder Aït Benhaddou. Auf der Reise haben sie viel über die Kultur in Marokko gelernt. Betreffs des nachhaltigen Tourismus haben sie erkannt, dass einige Aspekte, wie zum Beispiel die Beteiligung der lokalen Bevölkerung in manchen Bereichen, gut umgesetzt sind. Zur gleichen Zeit bemängelten sie aber auch, dass andere Bereiche, wie beispielsweise der Schutz der Umwelt vor Plastikmüll oder der Schutz der Tierwelt nur sehr begrenzt umgesetzt werden.

Viele Studierende hatten auch nicht erwartet, dass das Reisen in Marokko so angenehm und leicht ist. Dies trifft besonders auf diejenigen zu, die noch nie außerhalb Europas unterwegs waren. Außerdem genossen sie auch die Gastfreundlichkeit der Menschen. Ein ganz besonderes Dankeschön hierfür gilt unserem Fremdenführer Lahcen Azizi und Brahim Bourrich von Oriontrek.

War die Feldforschung in Marokko ein Erfolg? Würden Sie das Experiment wiederholen?
Wie aus den oben genannten Aspekten klar wird, war die Feldforschung in Marokko ein voller Erfolg. Es ermöglichte Studierenden, eine Verbindung zwischen der Theorie des nachhaltigen Tourismus und der gelebten Praxis in Marokko herzustellen. Dabei wurde deutlich, dass nachhaltiger Tourismus sehr viel mit Kompromissen zu tun hat, mit denen man versucht, die beste Balance zwischen den sozialen, ökologischen und ökonomischen Vor- und Nachteilen der Folgen des Reisens zu erzielen. Daher werde ich das Experiment sehr gerne wiederholen, denn es wird nicht nur von mir, sondern auch von den Studierenden als voller Erfolg gesehen.

Professor Dr. Dirk Reiser
Dirk Reiser ist Professor für nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule Rhein-Waal. Er ist außerdem Gastdozent am European Overseas Campus. Zudem hat er bereits in Neuseeland, Australien und auf Bali unterrichtet. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich des nachhaltigen Tourismus, insbesondere Wildtiertourismus, CSR, Marketing und Umweltmanagement. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft e.V. (DGT) und der International Association of Scientific Experts in Tourism (AIEST).

KULTUR

NEWS

no4Ad

FOLGEN SIE UNS!

no4Ad

no4Ad

no4Ad

no4Ad

BESTELLSERVICE

Erscheinungstermin der
KASBAH NO.7: Juli 2017


INFO MAROKKO

karte

Karte

Klima

Flugverbindungen

Veranstaltungen

Campingplätze

Steckbrief

Reisen im Land

Gut zu Wissen

Golfplätze