AUSZEIT

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DIE WEINREISE

Haben Sie schon mal von einer ganz besonderen Genießer-Reise geträumt? Hier ist sie! Le Tour des Vignobles – eine Weinreise zu den besten Winzern Marokkos. KASBAH stellt sie Ihnen vor.

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Text: KASBAH


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Essaouira

~ Domaine du Val d’Argan ~


Charles Melia war Besitzer eines Weingutes im weltberühmten Châteauneuf-du-Pape. Doch dann ließ er sich auf ein spektakuläres Abenteuer ein. Der leidenschaftliche Winzer zog aus, um in Marokko ein neues Weingut aufzubauen. Mit seiner Erfahrung aus Châteauneuf-du-Pape wollte er ein Weingut in einer Region aufbauen, in der es vorher noch keinen Weinanbau gab. Er suchte einen Ort zwischen Safi im Norden, Marrakesch im Osten und Agadir im Süden und entschied sich für die Region um Essaouira. Da es hier sehr windig ist, fühlte er sich an das Rhônetal und den Mistral erinnert. Nachdem er den Boden untersuchen ließ, stellte sich heraus, dass man Reben pflanzen kann. Ein privater Besitzer verpachtete ihm für 99 Jahre ein Grundstück mit 30 Hektar. Der Boden ist sehr gut: Kalkstein, fruchtbarer Lehmboden; bestens geeignet für anspruchsvollen Weinanbau. Von den Regeln, die für Châteauneuf- du-Pape-Weine gelten, hat er sich etwas entfernt. Dort produzierte er nur einen Rot- und einen Weißwein – nach strengen Auflagen, die durch ein Dekret von 1937 definiert werden. Tatsächlich hat er in Essaouira mit Trauben aus Châteauneuf-du-Pape angefangen. Für seine Rotweine waren das Grenache, Syrah und Mourvèdre. Heute pflanzt er auch andere Trauben aus dem Mittelmeerraum an: Marselan, eine Neuzüchtung aus den Sorten Cabernet Sauvignon und Grenache Noir, sowie die Nellucio, eine italienische Rebsorte, die zur Produktion des Sangiovese dient. Für das Aroma pflanzt er schwarzen Muscat. Die Produktion der Weißweine hat er ebenfalls mit Rebsorten aus dem Rhônetal angefangen: Clairettes, Roussannes, Grenache Blanc. Heute benutzt er auch Viognier, Muscat de Beaume-de-Venise und ein bisschen Trebbiano für die Säure. Der Sortenbestand für Rot- und Weiß umfaßt 13 Rebsorten, wie für den Châteauneuf- du-Pape. Da es auch eine starke Nachfrage nach sortenreinen Weinen gibt, hat er den Val d’Argan kreiert, der zu 90 % aus Roussanne-Trauben besteht. Melia produziert Weine mit einem sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis in vier Qualitätsstufen: einen Einstiegswein, den Gazelle de Mogador als Weiß-, Rot- und Roséwein; einen Mittelklassewein, den El Mogador in Weiß, Rot, Rosé und Grau; einen Grande Cuvée, den Val d’Argan in Weiß und Rot sowie einen Cuvée Prestige, den Orian als Rot- sowie Weißwein.


DOMAINE DU VAL D’ARGAN – Essaouira – Tel. +212 (0) 5 24 78 34 67 – www.valdargan.com


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Rabat

~ Domaine de La Ferme Rouge ~


Der Franzose Jacques Poulain fungierte in seiner Heimat als Berater für Winzer. Das reichte ihm nicht. Poulain wollte sein eigenes Weingut und Spitzenweine in Südafrika produzieren. Doch dann kam alles anders. Er entschied sich für das Umland von Rabat. Die Domaine de la Ferme Rouge befindet sich zwischen Rabat und Rommani im Ort Had-Brachoua, auf einer Hochebene in 400 Meter Höhe. Der Atlantik ist nur 35 Kilometer entfernt. Das Grundstück ist wunderschön und außergewöhnlich gut gelegen. Das Meeresklima ist hier deutlich spürbar, sogar der Einfluss von Ebbe und Flut. Das verleiht den Weinen Frische und Fruchtigkeit, im Gegensatz zu den kräftigen und mächtigen Weinen, die man beispielsweise in der Region von Meknes findet. Dort ist das Klima kontinental, der Boden ton- und kalkhaltig; es ist schwierig, einen ausgewogenen Wein herzustellen. Anders bei Poulin: Bei ihm gibt es einen roten, sandigen Lehm- und Schieferboden. Von großem Vorteil sind zudem die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, im September sind es nachts beispielsweise um die 20-22 Grad, also nicht ganz so extrem heiß. Das ist optimal für die Trauben: Sie können langsam und ohne Stress reifen. Trauben vertragen nämlich keine Gewalt, alles muss ganz langsam und sanft passieren. In Marokko werden zwar überwiegend Rotweine getrunken, die Domaine de la Ferme Rouge produziert aber auch Grau-, Rosé- und Weißweine. Mit der Weinpalette des „Cuvée du Terroir“, bietet Poulain einfache Weine an, ebenfalls in allen vier Farben. Eine höhere Qualität hat sein Sortiment „La Petite Ferme“, das sind Weiß-, Grau- und Rotweine. Die Weine „Terres Rouges“ und „Terres Blanches“ liegen ihm ganz besonders am Herzen. Sie repräsentieren den Boden der Domaine am besten. Zu seinen anspruchsvollen Produkten gehören die Weine „Terres Sauvages“ als Rot-, Weiß- und Roséwein. Sein Spitzenwein ist der „Odyssée“. Poulain hat auch Weine, die ausschließlich für renommierte Institutionen wie das berühmte Luxushotel La Mamounia produziert werden. Dieser Wein heißt „Icône“, und kann nur dort genossen werden.

DOMAINE LA FERME ROUGE – Had Brachoua (Rabat) – Tel.: +212 (0) 537 52 91 93 – www.lafermerouge.com


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El Hajeb

~ Domaine de la Zouina ~


Das Weingut liegt am Fuße des Mittleren Atlas, 25 Kilometer von Meknes entfernt, zwischen Rabat und Fes. Unweit des Atlas in 800 Meter Höhe gibt es hier einen interessanten Boden für den Anbau von Oliven und Wein. Die Domaine verfügt über einen Lehm-Kalk-Boden, der das Wasser sehr gut hält. Im Schnitt fallen etwa 300 mm Regen, manchmal 400. Der Boden ist fruchtbar und ermöglicht eine gute Produktion. Als Winzer aus dem Bordeaux verwenden die Winzer hauptsächlich Cabernet Sauvignon für die Rotweine. Einige Sauvignons sind sehr fruchtig. Sie pflanzen auch Syrah und Tempranillo. Für die Weißweine verwenden sie vor allem Chardonnay, der besonders in der Bourgogne, in Australien und Kalifornien beliebt ist. Außerdem werden spezifische Rebsorten wie die Caladoc für die „Vins gris“ verwendet. Die Domaine de la Zouina hat praktisch die ganze Palette im Programm, also leichte und klassische Roséweine. Die leichten haben eine sehr helle Farbe, sind heller als ein typischer Rosé, dazu fruchtig und trocken wie ein Weißwein. Dann gibt es einen klassischen Roséwein mit Noten von roten Beeren. Hauptsächlich werden Rotweine produziert, da selbst in einem sonnigen und warmen Land wie Marokko eher mehr Rotwein getrunken wird. Dabei bietet Christophe Gribelain, Inhaber der Domaine, verschiedene Produktlinien an: Seine „Volubilia“-Palette besteht aus Grau-, Weiß-, Rosé- und Rotweinen. Die „Epicuria“-Weine sind sortenfrei: die Roten aus Cabernet Sauvignon und Syrah. Der Weiße ist ein Chardonnay, der in Barrique-Fässern ausgebaut wird. Im Unterschied zu europäischen Weinen führen sie keine malolaktische Gärung durch. Dadurch bleibt die Frische erhalten. Der Ausbau und die Produktion dauern etwas länger, vor allem bei den Barrique- Weinen. Diese Weine sind nicht unbedingt eleganter, sondern eher etwas komplexer. Die Aufzucht der Reben muß dem Klima angepasst werden. Die Weinbauern können auch nicht so dicht pflanzen, das würde die Rebe zu sehr „stressen“. Stattdessen brauchen die Reben eine dichte Belaubung, die vor Sonnenbrand schützt. Aufgrund der klimatischen Bedingungen ernten sie früher als in Europa, also Anfang August. Während in Europa die Ernte erst im September,


DOMAINE DE LA ZOUINA – El Hajeb (Meknes) – Tel.: +212 (0) 535 43 30 34 – www.domainezouina.com


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Meknes

~ Les Celliers de Meknès ~


Sanfte Hügel und Weinreben, so weit das Auge reicht. Überall duftet es nach frisch geernteten Trauben. Im Garten plätschert leise ein andalusischer Brunnen. Im Glas ein kühler Chardonnay. Weinliebhaber sind hier bestens aufgehoben. Auf dem safranfarbenen Gut Château Roslane, dem Hauptsitz der Celliers de Mèknes, am Fuße des Atlasgebirges wird die gesamte Weinpalette produziert: Es gibt einfache Landweine, teure Cuvées, feinster Champagner. Etwa 25 Rebsorten gedeihen hier bestens – vor allem Carignan, Cinsault, Grenache, Chardonnay, Syrah, Cabernet, Merlot und Sauvignon. Manche Reben wachsen auf Lehmboden – das sorgt für charaktervolle, würzige Weine; andere auf sandigem Terroir – das Ergebnis sind fruchtige, elegante Tropfen wie Trois Domaines, Rimal, oder der Top-Weißwein Côteaux de l’Atlas. Les Celliers de Meknès ist ein Unternehmen der Superlative. Pro Jahr werden hier mehr als 30 Millionen Flaschen abgefüllt. Mehr als 1200 Mitarbeiter sind bei dem Weinhersteller tätig. Auf über 5000 Hektar erstreckt sich die Rebfläche. Gelesen wird klassisch von Hand oder mit der Rüttelmaschine. Es gibt computergesteuerte Kelter-, Kühl- und Abfüllanlagen, Edelstahltanks für zehntausende Hektoliter Wein – und im Keller mehr als 2000 teure Barriquefässer für die edelsten Gewächse des Château Roslane. In Meknes ist es sehr trocken, und die Reben müssen deshalb ständig bewässert werden. Wegen der Hitze gibt es aber zum Glück kaum Schädlinge, die aktuelle Ernte läuft ausgesprochen gut.

Bisher sind es vor allem die Marokkaner selbst, die den Wein aus Meknes fast alleine austrinken. Dabei ist er sehr teuer: In den Restaurants kostet ein Top-Wein schon mal 50 Euro. Aber die Produzenten kalkulieren knallhart: Sie können sich die hohen Preise leisten. Denn Zölle, Steuern und Importkosten machen einen französischen Chablis auch nicht gerade billig. Die Weine aus den Celliers de Mèknes sollen einmal auch in Deutschland Botschafter für Marokkos Lebensart sein. Noch landen 90 Prozent ihrer Weine auf dem marokkanischen Markt.

LES CELLIERS DE MEKNÈS – Meknes – TÉL. : +212 (0) 535 52 03 60 – www.lescelliersdemeknes.net

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