MADE IN MAROKKO

MADE IN MAROKKO

rachids_traum00

DAS BESTE AUS DEM SÜDEN

Viele Marokko-Reisende möchten sich Zuhause gern an ihre wunderbare Zeit in Marokko erinnern und beabsichtigen etwas Bleibendes, Wertiges mit zu nehmen. Ganz oben auf der Wunschliste stehen Schmuck, Teppiche und edle Holzwaren. Das dürfte kein Problem darstellen, denn Marokko ist für seine kreativen und qualifizierten Handwerkskünstler auf der ganzen Welt berühmt. Die meisten Reisenden werden sicherlich in den Souks von Marrakesch fündig. Für alljene, die auf Entdeckungsreise gehen wollen und einen direkten Kontakt zum Produzenten suchen, stellt KASBAH drei Manufakturen aus dem Süden des Landes vor. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, aber eins haben sie gemeinsam: Auf ihrem Gebiet sind sie die besten.

trennlinie

Fotos / Text: Klaus Kopelkert

Mahjoub Douani ist ein Silberschmied und – neben seinem Vater und seinem Bruder – der letzte in Südmarokko, der die traditionelle Herstellung von Berberschmuck noch beherrscht. Seine Werkstatt und sein Laden befinden sich in den engen Gassen des alten jüdischen Viertels von Zagora. Jeden Morgen ist Mahjoub schon früh auf den Beinen. Bei Sonnenaufgang entfacht er das Feuer. Erst vier Stunden später kann er mit dem Gießen beginnen. Immer wieder muss er das Feuer anblasen, weil es sonst zu schwach wird. Für die Schmelze braucht Mahjoub die richtige Temperatur. In einer Ecke befindet sich die Feuerstelle. Wenn das heiße, flüssige Silber mit einer Kelle in spezielle Formen gegossen wird, ist höchste Konzentration gefordert.

Diese Formen gehörten früher einer jüdischen Familie von hier. Sein Vater hat von dem alten Schmied alles gelernt und später die Formen bekommen, die jetzt Mahjoub besitzt. Wenn das Silber erkaltet ist, werden die Formen umgeworfen. Das gegossene Teil fällt heraus und kann anschließend bearbeitet werden. Hergestellt werden Armbänder, Halsketten, Ohrringe, wunderschöne Broschen aus Silber sowie die berühmten „Kreuze des Südens”. Das Silber besorgt er auf dem Markt, wo sich immer Menschen aus den Dörfern finden lassen, die ihren kaputten Schmuck verkaufen. Ansonsten schmelzt er Teekannen ein, die er wiederum selbst herstellt. Überwiegend fertigt er jedoch Schmuck an, der ihm von Händlern aus Marrakesch, Fes und Casablanca abgekauft wird.

01

01

02

Jeder Tischler in dieser Werkstatt beherrscht die hohe Kunst der Intarsie. Nach der Politur versprühen Thujaprodukte eine einzigartige Schönheit

Brahim und seine Leute produzieren Holzgegenstände in vollendeter Schönheit: Es sind in perfekter Hamonie verzierte Objekte, deren Herstellung sehr viel Geschicklichkeit, Fantasie, Geduld, Präzision und Hingabe erfordert. Durch die spezielle Fertigungsweise avancieren diese Produkte – im Grunde sind es schnöde Gebrauchsgegenstände wie Schränk-chen, Bettgestelle und kleine Kästen zur Aufbewahrung – zu Luxus- und Lifestyleobjekten. Das Trägermaterial besteht immer aus dem Holz der Thujawurzel. Es gilt als sehr widerstandsfähig, dekorativ und ist hervorragend zu bearbeiten. Die Thuja ist ein immergrüner Baum mit dicht angeordneten Zweigen.

In Marokko ist die Thuja vor allem in den Atlasbergen und häufig in den Regionen von Essaouira, Azemmour und Meknes beheimatet. Auch bei uns in Deutschland sind in manchen Gärten Thujabäume zu sehen. Die Thuja ist ein wenig vergleichbar mit der Zeder, deren Holz ebenfalls als sehr wertig gilt. Herausragend ist besonders die einzigartige Oberflächenstruktur der produzierten Gegenstände. Die tiefdunkelroten Flächen sind meist mit unzähligen kleinen, braunen Punktmustern sowie goldfarbenen Adern durchzogen. Verarbeitet versprühen Thujaprodukte eine einzigartige Schönheit, die allerdings erst nach dem Abschluss der kraftraubenden Politurphasen zur Geltung kommt. Thujaobjekte sehen oft luxuriös und nobel aus. Nicht selten finden sie Verwendung in chicken Autos, Trophäen sowie edlen Zigaretten- und Luxusschuhboxen.

01

01

02

Früher waren die Teppiche lang und schmal. Heute haben sie verschiedene Größen. Die Pfosten und Querbalken des Webstuhls werden auf die Größe des Teppichs angepasst. An einem Teppich arbeiten bis zu acht Frauen. Jede ist für ein Motiv zuständig

Die meisten Teppiche stammen aus Berberdörfern des Mittleren und Hohen Atlas sowie aus Taznakht am Rande des Antiatlas. Die Teppiche werden von Frauen, die sich oft in Genossenschaften organisieren, in monatelanger Handarbeit gefertigt. Zum Färben werden ausschließlich natürliche Produkte verwendet. Beispielsweise wird die Wolle in Blütenblättern, Pflanzen sowie mit Datteln und Feigen gekocht. Die fertigen Teppiche werden anschließend in den großen Souks von Marrakesch, Fes und Essaouira verkauft. In der Regel kosten sie dort etwa das Doppelte wie im Herstellungsort. Wer sich daran stört, sollte bedenken, dass die Teppiche erst einmal über die Atlasberge transportiert werden müssen. Transportkosten und Margen der Wiederverkäufer schlagen sich natürlich im Preis des Teppichs nieder. Und welcher Tourist hat schon die Zeit, von Essaouira bis nach Taznakht zu fahren? Das sind hin und zurück über 1000 Kilometer! Berücksichtigt man Zeit und Aufwand, erscheinen die höheren Preise durchaus nachvollziehbar. Zumal sich in den Souks ja auch stark handeln lässt. Die meisten Touristen entscheiden sich für Webteppiche, weil sie weniger Platz wegnehmen. Sehr beliebt sind auch die sogenannten Glaoui-Teppiche mit ihren traditionellen Motiven sowie die Aknif-Teppiche, die dünn zusammengerollt werden können. Knüpfteppiche sind deutlich schwerer, halten aber auch länger. Für welchen Teppich man sich auch entscheiden mag: Zuhause erinnert er stets an die schönen Urlaubstage.

Rückblick Made in Marokko


AUSGABE NO.6

  • MADE IN MAROKKO made-in-marokko-no6-00

    HANDWERK HAT GOLDENEN BOGEN
    Fes als spirituelles Zentrum Marokkos ist weltweit ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass in der Medina – der größten der Welt – die besten Handwerker des Landes am Werke sind. Wem in den Souks von Marrakesch oder Essaouira einzigartig und wunderschön gefertigte Sachen auffallen…

    mehr...

AUSGABE NO.5

  • MADE IN MAROKKO made-in-marokko-00a

    STÖRE MEINE KREISE NICHT
    Essaouira, bekannt für seinen breiten und langen Sandstrand und die ganz besondere, entspannte Atmosphäre, zählt zu den beliebtesten Urlaubsorten Marokkos. Mehr noch: Die meisten Reisenden verbinden die ehemalige portugiesische Hafenstadt mit einer eindrucksvollen Medina…

    mehr...

AUSGABE NO.4

  • MADE IN MAROKKO made-in-marokko-no4-00

    DER HERR DER FLIESEN
    Abdellah Bougrine ist einer der besten Zellig-Künstler Marokkos. Die Liste der Kunden, die auf seine Dienste zurückgreifen, liest sich wie das Who’s who der Top-Hotels in Marrakesch…

    mehr...

AUSGABE NO.3

  • MADE IN MAROKKO IMG_3091_3

    DIE KÖNIGLICHE KERAMIKMANUFAKTUR
    Seit langer Zeit ist Safi die Hauptstadt der marokkanischen Töpferei. Die Techniken werden in den Familien über Generationen weitergegeben. Maître Ahmed Serghini ist der Haus- und Hoflieferant des Königs. Seine Produkte werden in der ganzen Welt gekauft und bewundert…

    mehr...

AUSGABE NO.2

  • MADE IN MAROKKO IMG_2081a2_00

    IM LAND DER SCHÖNEN TEPICHE
    Sven Kämmerer ist seit über 30 Jahren regelmäßig in Marokko unterwegs. Auf all seinen Reisen begegneten ihm immer wieder die wunderschönen Berberteppiche. Zu einem Kauf durchringen konnte er sich aber nie…

    mehr...

AUSGABE NO.1

  • MADE IN MAROKKO IMG_2081rep08_00

    DIE KÜNSTLER IM ENDLOSEN TAL
    In den Souks von Marrakesch und Fes kann man ihn mit etwas Glück tatsächlich finden − den wunderschönen, traditionellen Silberschmuck der Berber. Sabah, eine französische Ethnologin aus Paris mit marokkanischen Eltern…

    mehr...
ROADBOOK
LEBENSART

NEWS

no4Ad

FOLGEN SIE UNS!

no4Ad

no4Ad

no4Ad

no4Ad

BESTELLSERVICE

Erscheinungstermin der
KASBAH NO.7: Juli 2017


INFO MAROKKO

karte

Karte

Klima

Flugverbindungen

Veranstaltungen

Campingplätze

Steckbrief

Reisen im Land

Gut zu Wissen

Golfplätze